Schriftquellen

Augustinus, de civitate dei VIII 6:

... unde incidit, ut diceret, nescio quando se et tres alios contubernales suos, nimirum apud Treveros, cum imperator pomeridiano circensium spectaculo teneretur, exisse deambulatum in hortos muris contiguos; atque illic, ut forte combinati spatiabantur, unum secum seorsum et alios duos itidem seorsum pariterque digressos; sed illos vagabundos inruisse in quandam casam, ubi habitabant quidam serui tui ...

„ ... So kam es, dass er erzählte, er sei einst - ich weiß nicht wann - mit drei Freunden in Trier, als der Kaiser nachmittags den Zirkusspielen beiwohnte, in den an die Stadtmauern anstoßenden Gärten spazieren gegangen; und während sie sich so voneinander nach verschiedenen Richtungen getrennt hätten, er mit einem anderen und ebenso die beiden anderen für sich, seien jene beim Herumstreifen auf eine Hütte gestoßen, wo einige deiner Diener wohnten ... ”

Ausonius, epitaphia XVII 32,1 (Öffnet externen Link in neuem Fenstered. Schenkl p. 79):

iussu Augusti equo admirabili
Phosphore, clamosi spatiosa per aequora circi
septenas solitus victor obire vias,
inproperanter agens primos a carcere cursus
fortis praegressis ut potereris equis.
promptum et veloces erat anticipare quadrigas,
victores etiam vincere laus potior.
Hunc titulum vani solacia sume sepulcris
et gradere Elysios praepes ad alipedes.
Pegasus hinc dexter currat tibi, laevus Arion
funis erat, quartum det tibi Castor equum.

Für ein herrliches Pferd, gedichtet auf kaiserlichen Wunsch
Phosphor, durchs weite Feld des beifallrauschenden Circus
siebfachen Weg siegreiche zu laufen gewohnt,
noch verhalten vom Start an in den ersten der Runden,
kühn kommst du so an die vorn stürmenden Pferde heran,
leichter ist es, vor schnellen Quadrigen den Vorsprung zu nehmen,
beinahe Siegreiche noch einholen bringt erst den Ruhm.
Trost sei die für ein leeres Grab erdichtete Inschrift,
eile mit Flügeln ganz schnell nach dem elysischen Reich.
Pegasus laufe zur Rechten, links soll führen Arion,
Castor sicherlich gibt gerne als Viertes sein Pferd. (Übers. L. Schwinden)

Lit.: Trier. Kaiserresidenz und Bischofssitz - Die Stadt in spätantiker und frühchristlicher Zeit (Mainz 19842) 191 (L. Schwinden).

Panegyricus latinus VI/VII - Panegyricus des Jahres 310

 

22,4. Cuius civitatis antiqua nobilitas et quondam fraterno populi Romani nomine gloriata opem tuae maiestatis exspectat, ut illic quoque loca publica et templa pulcherrima tua liberalitate reparentur, sicut hic video hanc fortunatissimam civitatem, cuius natalis dies tua pietate celebrator, ita cunctis moenibus resurgentem ut se quodammodo gaudeat olim conruisse, auctior tuis facta beneficiis.

22,4. Das Volk dieser Stadt von altem Adel, einstmals stolz auf den Titel 'Bruder des römischen Volkes', hofft auf die Hilfe deiner Majestät. damit auch dort die öffentlichen Bauwerke und die schönsten Tempel aufgrund deiner Freigebigkeit wiederhergestellt werden können: so sehe ich auch diese vom Glück überaus begünstigte Stadt, deren Geburtstag du in anhänglicher Liebe feierlich begehst, wie sie in all ihren Mauern so wieder aufblüht, dass sie gewissermaßen über ihren einstigen Ruin Freude empfinden mag, da sie nun durch deine Gunsterweise noch größer geworden ist.

22,5. Video circum maximum aemulum, credo, Rornano, video basilicas et forum, opera regia, sedemque iustitiae in tantam altitudinem suscitari ut se sideribus et caelo digna et vicina promittant. Quae certe omnia sunt praesentiae tuae munera.

22,5. Ich sehe den riesigen Circus, konkurrierend mit dem römischen, wie ich glaube. Ich sehe Basiliken und das Forum, königliche Bauwerke, sowie den 'Thron der Gerechtigkeit', die sich in solche Höhe erheben, dass sie würdig der Gestirne und des Himmels und ihre Nachbarn zu sein verheißen. Dies alles sind gewiss Gaben, die deiner Anwesenheit zu verdanken sind.

Lit. und Ausgaben: XII Panegyrici Latini, neu hrsg. von Wilhelm Baehrens (Leipzig 1911) 200-220. Deutsche Übersetzung nach: B. Müller-Rettig, Der Panegyricus des Jahres 310 auf Konstantin den Großen. Übersetzung und historisch-philologischer Kommentar (Stuttgart 1990) 18-36; B. Müller-Rettig, Panegyrici latini - Lobreden auf römische Kaiser, I. Von Diokletian bis Konstantin, eingeleitet, übersetzt und kommentiert (Darmstadt 2008) 154-155.

Salvian, de gubernatione dei VI 39:

„Aber vielleicht kann jemand darauf antworten: Nicht in allen römischen Städten wird es so getrieben. Es ist wahr, ich gehe sogar noch weiter und sage, immer geschieht das jetzt nicht einmal dort, wo es früher immer geschehen ist. Es geschieht nicht mehr in der Stadt Mainz; aber nur, weil sie zerstört und vernichtet ist. Es geschieht nicht mehr zu Köln; aber nur, weil es von Feinden voll ist. Nicht mehr geschieht es in der glänzenden Stadt Trier; aber nur, weil sie durch viermalige Zerstörung zu Boden liegt. Es geschieht endlich nicht in sehr vielen gallischen und spanischen Städten. Und deswegen, weh uns und unsern Vergehen, weh uns und unserer Unkeuschheit! Was für eine Hoffnung haben die christlichen Völker vor Gott, wenn diese Bosheiten in den Römerstädten seit dem Zeitpunkt nicht mehr geschehen, seit dem sie unter die Botmäßigkeit der Barbaren kamen? So sind Lasterhaftigkeit und Unreinheit sozusagen verschwistert mit den Römern; sie gehören gewissermaßen zu ihrem Geist und ihrem Wesen, weil diese Laster überall dort vorherrschen, wo Römer sind. Aber das dürfte eine harte und ungerechte Anklage sein. Hart ist sie fürwahr, wenn sie falsch ist. Aber wie, antwortest du, wie soll sie nicht falsch sein, da die Geschehnisse, von denen die Rede ist, jetzt nur mehr in ganz wenigen Römerstädten vorkommen? Sehr viele beflecken sich nicht mehr mit der Makel dieser Unreinheiten; und mag es auch noch Heimstätten des alten Irrtums geben: Keineswegs dürfte mehr das geschehen, was früher geschah. Wir müssen daher beide Behauptungen einer Betrachtung unterziehen, das heißt fragen, was das bedeutet, dass es bis jetzt noch Orte und Herbergstätten für die Spiele gibt, die Spiele aber aufgehört haben sollen. Die Orte und Wohnstätten dieser Schändlichkeiten gibt es also deswegen heute noch, weil früher diese Unreinheiten dort geschahen. Jetzt werden dort deswegen keine Spiele abgehalten, weil sie wegen der Armut und des Elendes der Zeit nicht gehalten werden können. Dass es daher früher geschah, entsprang der Lasterhaftigkeit; dass es jetzt nicht mehr geschieht, entspringt nur der Not. Die Zwangslage des Fiskus und die Bettelarmut der römischen Staatskasse erlauben es nicht, dass überall für bloße Possenspiele verlorene Summen verschleudert werden. ”

Salvian, de gubernatione dei VI 85:

„ ... Durch drei unmittelbar aufeinanderfolgende Zerstörungen ist die Hauptstadt der Gallier ausgetilgt worden; und obwohl die ganze Stadt verbrannt war, wuchsen die Leiden noch nach den Zerstörungen. Denn die, welche die Feinde bei der Einnahme nicht getötet hatten, wurden nachher vom Unglück erreicht; denn alles, was bei der Zerstörung dem Tode entronnen war, überlebte nachher das Unheil nicht. Die einen starben in lang dauernden Todesqualen an tieferen Wunden, die anderen, bereits angesengt durch das Feuer des Feindes, peinigte nach dem Brand die Qual. Die einen starben vor Hunger, die anderen infolge ihrer Blöße; die einen siechten dahin, die anderen erfroren, und so fielen alle miteinander durch verschiedene Todesarten einem gemeinsamen Tod anheim. Und was weiter? Durch das Verderben einer Stadt wurden auch andere getroffen. Überall, was ich selbst gesehen und ausgehalten habe, lagen nackte und zerfleischte Leichen beiderlei Geschlechts, die den Anblick der Stadt schändeten, von Vögeln und Hunden zerrissen; Verderben für die Lebenden war der üble Geruch der Toten. Der Tod hauchte neuen Tod aus. Und so mussten auch die, die bei der Zerstörung in der genannten Stadt nicht dabei gewesen waren, die Leiden fremden Untergangs mit ertragen. Und was nach diesem, so frage ich, was nach diesem allem? Wer kann die Größe dieses Wahnsinns ermessen? Wenige Adelige, die das Verderben überlebt hatten, forderten von den Kaisern Zirkusspiele, sozusagen als höchstes Trostmittel für die zerstörte Stadt. Oh hätte ich für diesen Gegenstand entsprechende Beredsamkeit, um dem Unwillen über diese Vorgänge gebührenden Ausdruck zu verleihen, auf dass die Klage so mächtig werde, wie der Schmerz über das Geschehene groß ist! ...”

Öffnet internen Link im aktuellen FensterSalvian, de gubernatione dei VI 15 (89).

Maße

ca. 450 x 100 m

Beschreibung

Oberflächlich sichtbare Reste des Trierer Circus sind nicht erhalten. Die Anlage konnte jedoch am Fuß des Petriberges unmittelbar östlich der heutigen Eisenbahnstrecke durch die Auswertung archäologischer Befunde lokalisiert werden. Der Verlauf der Helenenstraße markiert in etwa die nördliche Hälfte der westlichen Langseite und der Bogen der Argitiusstraße den im Norden abschließenden Halbrund. Die Egbertstraße liegt ungefähr über dem südöstlichen Verlauf der östlichen Langseite des Circus. Die Startseite mit den carceres war abgeschrägt und wird nördlich der Hermesstraße lokalisiert. Ein Mauerstück der Spina konnte lokalisiert werden. Der Bau geht bereits auf das 2. Jh. n.Chr. zurück und wird mit dem monumentalen Ausbau der Stadt zum Verwaltungssitz der Provinz Belgica und der Germania Inferior und G. Superior in Verbindung gebracht. Einen weiteren Ausbau erfuhr der Bau entweder bereits unter Konstantius Chlorus oder erst unter seinem Sohn Konstantin d.Gr., als Trier Kaiserresidenz wurde. Diesem Ausbau werden u.a. Kompositkapitelle zugeschrieben, auf denen eine von Victorien gehaltene imago clipeata oder die Büste eines Rennfahrers sichtbar sind.

Zur Ausstattung des Circus gehörte wahrscheinlich eine Venus vom sog. Typ Arles, deren unterer Teil im Bereich des Circus gefunden wurde.

Literatur

Öffnet externen Link in neuem FensterJ. Urlichs, Die Zeugnisse der Alten über den Circus zu Trier, Bonner Jahrbücher 9, 1846, 13-16.

W. von Massow, Neue Bodenfunde im römischen Trier, Archäologischer Anzeiger 1944/45, 81-88.

W. von Massow, Der Circus im römischen Trier, Trierer Zeitschrift 18, 1949, 149.

Trier. Kaiserresidenz und Bischofssitz - Die Stadt in spätantiker und frühchristlicher Zeit (Mainz 19842) 190-192 (L. Schwinden)

C. Heucke, Circus und Hippodrom als politischer Raum. Untersuchungen zum großen Hippodrom von Konstantinopel und zu entsprechenden Anlagen in spätantiken Kaiserresidenzen, Altertumswissenschaftliche Texte und Studien, 28 (Hildesheim - Zürich - New York 1994) 324-332.

K. Goethert, Circus und Wagenrennen, in: A. Demandt - J. Engemann (Hrsg.), Imperator Caesar Flavius Constantinus - Konstantin der Grosse, Ausstellungskatalog (Mainz 2007) 344-350.

Darstellungen

Trier, Ostallee (heute: Weimarer Allee 1); Rennfahrermosaik; AO: RLM Trier:

Lit.: K. Parlasca, Römische Mosaiken in Deutschland, Römisch-Germanische Forschungen 23 (Berlin 1959) 24 Taf. 25,1; 26,3; G. Hellenkemper-Salies, Hofkunst in der Provinz? Zur Denkmälerüberlieferung aus der Zeit des gallischen Sonderreichs, BJb 184, 1984, 76-77; P. Hoffmann - J. Hupe - K. Goethert, Katalog der römischen Mosaike aus Trier und dem Umland, auf der Grundlage einer Zusammenstellung und mit Zeichnungen von Lambert Dahm, Trierer Grabungen und Forschungen, 16 (Trier 1999) 143 Nr. 108 Taf. 63. 71-73.

Trier, unter den Kaiserthermen: Teil eines Rennfahrermosaiks mit dem Pferd Fulminator.
Trier, Weberbach, unter den Kaiserthermen; Rennfahrermosaik; AO: RLM Trier:

Victorios[us]

[Ful]minatore

Lit.: K. Parlasca, Römische Mosaiken in Deutschland, Römisch-Germanische Forschungen 23 (Berlin 1959) 24 Taf. 2,1; 26,3; G. Hellenkemper-Salies, Neue römische Mosaiken in Deutschland – Beiträge zur Chronologie des 3. Jahrhunderts, in: IIIo colloquio internazionale sul mosaico antico, Ravenna 1980 (Ravenna 1984) 340 ff. Abb. 1-2; G. Hellenkemper-Salies, Hofkunst in der Provinz? Zur Denkmälerüberlieferung aus der Zeit des gallischen Sonderreichs, BJb 184, 1984, 76-77; P. Hoffmann - J. Hupe - K. Goethert, Katalog der römischen Mosaike aus Trier und dem Umland, auf der Grundlage einer Zusammenstellung und mit Zeichnungen von Lambert Dahm, Trierer Grabungen und Forschungen, 16 (Trier 1999) 167 Nr. 160 Taf. 96. 98-99.

Trier, Weberbach, unter den Kaiserthermen; Polydus-Mosaik; AO: RLM Trier:

Polydus

Compressore

Lit.: W. Reusch, Archäologischer Anzeiger 1962, 888 ff.; K. Parlasca, Neues zur Chronologie der römischen Mosaiken in Deutschland, in: La mosaïque greco-romaine. Colloques internationaux du Centre national de la recherche scientifique, Paris 29 Août - 3 Septembre 1963 (Paris 1965) 80; W. Reusch, Trierer Zeitschrift 29, 1966, 187 ff. bes. 216 ff Taf. 32 ff.; W. Reusch, BerRGK 51-52, 1970-71, 270; G. Hellenkemper-Salies, Neue römische Mosaiken in Deutschland – Beiträge zur Chronologie des 3. Jahrhunderts, in: IIIo colloquio internazionale sul mosaico antico, Ravenna 1980 (Ravenna 1984) 340 ff. Abb. 5; L. Schwindner, Die Römer an Mosel und Saar (Mainz 1983) 282 ff. Nr. 247; G. Hellenkemper-Salies, Hofkunst in der Provinz? Zur Denkmälerüberlieferung aus der Zeit des gallischen Sonderreichs, Bonner Jahrbücher 184, 1984, 76-77; P. Hoffmann - J. Hupe - K. Goethert, Katalog der römischen Mosaike aus Trier und dem Umland, auf der Grundlage einer Zusammenstellung und mit Zeichnungen von Lambert Dahm, Trierer Grabungen und Forschungen, 16 (Trier 1999) 168-169 Nr. 161 Taf. 96. 100-101.

Veranstaltungen

dies natalis der Stadt Trier.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterPanegyrici latini XII 4.