VESUNNA PETRUCORIORUM, Perigueux (Gallia Aquitania)

Inschriften

CIL XIII 962; CIL XIII 11045; ILA Petr 27; AE 1910, 123; AE 1910, 158:

]T[-]P() L[--- Petru]cor(iorum) A(ulus) Pomp(eius) Dumnom[otuli f(ilius)]
[--- t]rib(unus) mil(itum) leg(ionis) [---]ae praef(ectus) fabr(um) amphit[heatrum]
[cum] ornament[is omnibu]s d(e) s(ua) p(ecunia) d(edit) A(ulus) Pomp(eius) A(uli) Pomp(ei) Ter[tulli f(ilius) ---]
[---]S perficien[dum curavit] idemq(ue) dedicavit

Perigueux, Weihinschrift des Amphitheaters; Musée gallo-romain Vesunna (Photo: R. Gogräfe)

„ ... (der Gemeinde?) der Petrucorier hat Aulus Pompeius, Sohn des Dumnomotilus, Militärtribun der legio ---, Präfekt der Handwerker, hat von seinem Geld das Amphitheater mit seiner ganzen Ausstattung gespendet. Aulus Pompeius, Sohn des Aulus Pompeius Tertullus ... hat für seine Vollendung gesorgt und es außerdem geweiht.”

Lit.: H. Devijver, Prosopographia militiarum equestrium quae fuerunt ab Augusto ad Gallienum 2. Litterae L - V (Löwen 1977) P 56; Suppl. II P 56; J.-P. Bost - J.-Cl. Golvin - J. Schreyeck, Urbannisme civique et art social de Périgeux antique, Archeologia 125, 1978, 12; J.-P. Bost - J.-Cl. Golvin - J. Schreyeck, Observations sur quelques aspects de l'urbanisme de Périgueux antique, in: Périgeux - Le Périgord. Les anciennes industries de l'Aquitaine, Actes du XXXe Congrès d'études régionales tenu à Périgueux, 22 et 23 avril 1978 (Perigeux 1981) 83-106; L. Maurin, Saintes antique des origines à la fin du VIe siècle, I, These presentée devant l'universitè  de Bordeaux III (Lille 1981) 253 Anm. 62; S. Demougin, Prosopographie des chevaliers romains Julio-Claudiens (43 av. J.-C.-70 ap. J.-C.) (Paris 1992) 427 Anm. 515; C. Vismara - M. Letizia Caldelli, Alpes Maritimae, Gallia Narbonensis, Tres Galliae, Germaniae, Britannia, Epigrafia anfiteatrale dell'Occidente Romano, V (Rom 2000) 73.

Perigueux, Grundriss des Amphitheaters (Zeichnung: nach Golvin Taf. 18,3).

Maße

Außen: 129 x 105,4 m
Innen: 65 x 41 m

Beschreibung

Verschiedene Teile der Substruktionen des Amphitheaters sind noch erhalten. Ähnlich wie am Amphitheater von Öffnet internen Link im aktuellen FensterFréjus noch gut nachvollziehbar, besaß der Bau von Perigueux eine äußere Arkadenfassade, durch welche man direkt und ohne einen äußeren Umgang zu passieren zu den Treppenaufgängen in die zweite Etage und zu einem ebenerdigen inneren Umgang gelangte. Diesem inneren Umgang folgen innen Wölbkammern, von denen noch geringe Reste erhalten sind, und zwischen denen einzelen Durchgänge zu einem innersten Umgang führten. Von letzterem führten 14 kurze Treppen hinter die Podiumsmauer und zu den untersten und vornehmsten Zuschauerplätzen. Zum zweiten und dritten maenianum gelangte man über die eingangs erwähnten Treppen von der Außenfassade her. In der Schmalachse liegt der prominenteste Zugang von außen direkt hinter die Podiumsmauer und in der Längsachse der Eingang in die Arena für die Gladiatoren und die Tiere der Öffnet internen Link im aktuellen FensterVenatio-Vorführungen. Dieser Zugang zeigt von außen nach innen ein Gefälle und zeigt damit, dass das Niveau der Arena eingetieft wurde. Das sich dort sammelnde Regenwasser wurde mit Kanälen abgeleitet, einen Arena-Keller scheint es nicht gegeben zu haben.

Bildergalerie

Perigueux, Amphitheater, der am besten erhaltene nördliche Teil von außen mit überwölbten Eingängen zu den Zuschauerrängen sowie - nicht sichtbar - dem nördlichen Eingang in die Arena.
Perigueux, Amphitheater, nördlicher Teil von innen: Unterbauten der Sitzränge, in der Mitte der Bogenansatz vom Eingang in die Arena.
Perigueux, Amphitheater, nördlicher Teil, Eingang die Arena.
Perigueux, Amphitheater, nördlicher Teil, Nebeneingang in die Arena, Treppenaufgang und rechts Ansatz eines Zugangs zu den Zuschauerrängen.
Perigueux, Amphitheater, nördlicher Teil, Treppenaufgang, rechts daneben Nebeneingang in die Arena, links daneben Zugang zu den Zuschauerrängen.
Perigueux, Amphitheater, nördlicher Teil, 2 Zugänge zu den Zuschauerrängen.
Perigueux, Amphitheater, westliche Seite, Rückseite einer Treppe von außen gesehen.
Perigueux, Amphitheater, zentraler Eingang auf der westlichen Seite.
Perigueux, Amphitheater, westliche Seite, Eingänge zu den Zuschauerrängen.
Perigueux, Amphitheater, zentraler Eingang der westlichen Seite von innen gesehen (Photo: R. Gogräfe).

Literatur

Öffnet externen Link in neuem FensterH.F.A. Taillefer, Les antiquités de Vésone (1821-26) .

Öffnet externen Link in neuem FensterA. de Caumont, Abécédaire d'archéologie, ère gallo-romain (Caen 1870)  343.

Öffnet externen Link in neuem FensterA. Blanchet, Les enceintes romaines de la Gaule (1907) 181 Abb. 39.

Öffnet externen Link in neuem FensterCh. Durand, Fouilles de Vésone, Comptes rendus 1912-13 (Périgueux 1920).

P. Barrière, Vesuna Petrocoriorum, Histoire d'une petite ville à l'époque gallo-romaine (Périgeux 1930) 172-179.

A. Grenier, Manuel d’archéologie gallo-romaine, III. L’architecture 2. Ludi et circenses: théâtres, amphithéâtres, cirques (Paris 1958) 670-674 Abb. 232.

Öffnet externen Link in neuem FensterGallia 41, 1983, 445 ff. Abb. 3-4.

M. Fincker, Fouille de sauvetage dans l’amphithéâtre de Périgueux. Juin-octobre 1982, Aquitania 1, 1983, 201-203.

R. Bedon – R. Chevallier – P. Pinon, Architecture et urbanisme en Gaule Romaine, II (Paris 1988) 198 f.

J.Cl. Golvin, L'amphithéâtre romain. Essai sur la théorisation de sa forme et de ses fonctions, I-II (Paris 1988) 160 f. Nr. 136 Taf. XVIII 3.

Cl. Girardy-Caillat, Perigeux - Vesunna, Civitas Petrocoriorum, in: L. Maurin, Villes et agglomérations antiques du sud-ouest de la Gaule: histoire et archéologie. Actes du 2e Colloque Aquitania, Bordeaux, 13-15 septembre 1990, Aquitania supplément 6 (Bordeaux 1992) 125-129.
F. Dumasy - M. Fincker, Les édifices de spectacle, ebda. 293-321.

P. Pinon, Approche typologique des modes de réutilisation des amphithéâtres de la fin de l'Antiquité au XIXe siècle, in: C. Domergue - Chr. Landes - J.-P. Pailler (Hrsg.), Spectacula I, Gladiateurs et amphithéâtres, Actes du colloque tenu à Toulouse et à Lattes les 26, 27, 28 et 29 mai 1987 (Lattes 1990) 103-127. 111.

R. G. Chase, Ancient Hellenistic and Roman Amphitheatres, Stadiums, and Theatres – the way they look now (Portsmouth, New Hamphshire 2002) 337 Abb. 

weblinks:

Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://de.structurae.de/photos/index.cfm?JS=144090

Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Amphith%C3%A9%C3%A2tre_de_P%C3%A9rigueux

Perigueux, Maison de Lestrade: Wandmalereifragment einer Retiariers, im Hintergrund die Reste eines Kampfrichters (Photo: R. Gogräfe).

Darstellungen

Maison de Lestrade, Wandmalerei; AO: Musée gallo-romain Vesunna:

Das Fragment einer Wandmalerei zeigt einen nach rechts ausschreitenden Öffnet internen Link im aktuellen FensterRetiarier in Rückansicht. Rechts oberhalb von ihm und im Hintergrund gedacht erkennt man die Beine eines Kampfrichters bzw. Öffnet internen Link im aktuellen Fenstersumma rudis. Der Retiarier faßt mit seiner Rechten an das Ende des Dreizacks und stößt gegen seine Laufrichtung zurück nach links: Dort ist die Dreizackspitze nurmehr zu erahnen. Unter seinem Ellbogen mit dem großen galerus erkennt man die Hand seines Gegners, der mit seinem Dolch nach rechts stößt: Nach der gewöhnlichen Zusammenstellung war dieser Gegner ein Öffnet internen Link im aktuellen Fenstersecutor.

Geringe Farbspuren oberhalb der Gladiatoren stammen von Buchstaben, von denen allein ein 'M' erhalten ist. Hieraus geht hervor, dass die Personen oder der Kampf benannt waren und damit ein ganz bestimmtes Ereignis darstellten, dessen hier gedacht wurde, sicherlich im Auftrag des Editors der Kämpfe.

Lit.: Öffnet externen Link in neuem FensterCh. Durand, Fouilles de Vésone, Comptes rendus 1912-13 (Périgueux 1920) Taf. III-IV; F. Dumasy, Représentations de gladiateurs, in: Peinture murale romaine. Actes du Xe séminaire de l’AFPMA Vaison-la-Romaine 1, 2 et 3 mai 1987 (Vaison-la-Romaine 1989) 124-126 Abb. 2; A. Barbet, La peinture romaine. Fresques de gladiateurs à Périgeux, Exposition au Musée du Périgord - Périgeux du 14 mars au 13 septembre 1999 (Boulazac 1999) 7 ff. Abb. 2-5; A. Barbet, La peinture murale en Gaule (Paris 2008) 227 Abb. 353-354.

weblink:

Öffnet externen Link in neuem FensterBild.

Perigueux, rue de Bouquets, Wandmalerei eines Gladiatorenkampfes (Zeichnung: Barbet 1999, 14 Abb. 8).
Rue des Bouquets, Wandmalerei; AO: Öffnet externen Link in neuem FensterMusée gallo-romain Vesunna:

Lebensgroße Darstellung eines Gladiatorenkampfes: Oben erkennt man einen nach rechts ausschreitenden Gladiator, der mit Stiefeln und subligaculum bekleidet ist. Von seiner Bewaffnung ist ein langer Schaft erkennbar, der einen weitgehend ergänzten Rundschild überschneidet. Rechts von ihm lag offensichtlich - wenn die beiden Fragmente tatsächlich richtig zueinander positioniert sind - ein verwundet zusammengebrochner Gladiator, von dem allein sein Helm und die rechte Schulter erkennbar sind. Nach seiner Helmform wurde er als Öffnet internen Link im aktuellen FensterSekutor gedeutet; der längliche Schild unter ihm scheint zu ihm gehört zu haben und seine zu Boden gefallene Schutzwaffe darzustellen.

Sollte diese Deutung richtig sein, dann müsste der obere Kämpfer ein Öffnet internen Link im aktuellen FensterRetiarius sein und der lange Schaft zu einem Dreizack gehören; problematisch wäre dann die Ergänzung mit einem Rundschild: Aus diesem Grunde wurde die Figur auch als Venator interpretiert, den man aber wiederum kaum mit einem zusammengebrochenen Sekutor zusammenstellen möchte.

Unterhalb dieser Szene erkennt man einen blauen Öffnet internen Link im aktuellen Fenstertorus Libitinae und die Brustpartie eines sich aufrecht haltenden Mannes, vermutlich von einem Kampfrichter.

Literatur: A. Barbet, La peinture romaine. Fresques de gladiateurs à Périgeux, Exposition au Musée du Périgord - Périgeux du 14 mars au 13 septembre 1999 (Boulazac 1999) 10 ff. Abb. 8-10. 15-29; A. Bouet, Les collèges dans la ville antique: le cas des Subaediani, RA 2001, 257 ff.; A. Barbet, Peintures de Périgeux. Édifice de la rue de Bouquets ou la Domus de Vésone. I, Les peintures en place,  Aquitania 19, 2003, 86; M. Papini, Munera gladiatoria e venationes nel mondo delle immagini, Memorie, Accademia nazionale dei Lincei, Classe di scienze morali, storiche e filologiche, Accademia nazionale dei Lincei. Classe di scienze morali, storiche e filologiche, Atti della Accademia nazionale dei Lincei 19 (Rom 2004) 60; A. Barbet, La peinture murale en Gaule (Paris 2008) 228-230 Abb. 355.

weblink: Öffnet externen Link in neuem FensterBild.