Grabrelief mit Gladiatoren aus dem Tiber bei Rom; Rom. Museo Nazionale delle Terme (Photo: © Dick Osseman).

Darstellungen

Relief von einem Grabbau bei Rom, gef. im Tiber; AO: Rom, Museo Nazionale Romano, Inv. 126119 (Öffnet externen Link in neuem FensterBild):

Kommentar: Erkennbar sind von links nach rechts ein Paar kämpfender provocatores, rechts daneben ein Öffnet internen Link im aktuellen Fenstermurmillo und am Rand der Rest eines Öffnet internen Link im aktuellen Fensterthraex. Beide provocatores zeigen das Pektorale vor der Brust bzw. die Zusammenknotung desselben auf dem Rücken, beide tragen einen Helm vom Typus Weisenau. Der Name des linken angreifenden Gladiators ist nicht erhalten, er war aber Angehöriger des ludus Iulianus; er errang 5 Siege, in denen er Kränze erhielt. Sein Gegener in der Mitte des Reliefs heißt Clemens und hat die Öffnet internen Link im aktuellen Fenstermissio erhalten, er wurde also begnadigt. Links neben diesem steht ein zurückblickender murmillo, der ebenfalls die missio erhielt, von dem durch das beigefügte Öffnet internen Link im aktuellen FensterTheta nigrum jedoch sein Tod angedeutet ist. Rechts neben diesem stand ein thraex, von nur noch der Rechteckschild und eine Bienschiene sichtbar sind.

Inschrift:  [Ludus] Iul(ianus pugnarum) V (coronarum) V Cleme[ns --- ]

v(icit) m(issus) m(issus) θ

Literatur: D. Faccenna, Rilievi gladiatorii, BullCom 76, 1956-58, 37 Taf. II; Helbig 4 Nr. 2413 (E. Simon); A. Giuliano (Hrsg.), Museo Nazionale Romano. Le sculture I 2 (Rom 1981) 225 ff. Nr. 27 (R. Paris); A. Hönle - A. Henze, Römische Amphitheater und Stadien (Feldmeilen 1981) 22 Abb. 3; M. Junkelmann, Familia Gladiatoria, in: E. Köhne - C. Ewigleben (Hrsg.), Caesaren und Gladiatoren, Die Macht der Unterhaltung im antiken Rom. Begleitbuch zur Ausstellung Historisches Museum der Pfalz, Speyer, 9. Juli-1. Oktober 2000 (Mainz 2000) 46 f. Abb. 21; M. Papini, Munera gladiatoria e venationes nel mondo delle immagini, Memorie, Accademia nazionale dei Lincei, Classe di scienze morali, storiche e filologiche, Accademia nazionale dei Lincei. Classe di scienze morali, storiche e filologiche, Atti della Accademia nazionale dei Lincei 19 (Rom 2004) 128 Abb. 54.

weblink: Öffnet externen Link in neuem FensterBildergalerie Dick Osseman

Relief von einem Grabbau (?); FO: Castrum Novum - Sta. Marinella; AO: Civitavecchia, Mus. Naz.

Lit.: P.A. Gianfrotta, Castrum Novum, Forma Italiae, Regio VII, vol. tertium (Rom 1973) 94; S. Rinaldi Tufi, Lastre di un rilievo nel Museo di Civitavecchia, Bullettino della Commissione archeologica comunale di Roma 82, 1970-71 (1975) 137-142 Taf. L; M. Junkelmann, Das Spiel mit dem Tod. So kämpften Roms Gladiatoren (Mainz 2000) 115 Abb. 170.

Grabstein des Provocators Anicetus; Rom Mus. Cap. (© Corpus Inscriptionum Latinarum).
Grabstein des Anicetus; CIL VI 10183; ILS 5110; AO: Rom, Musei Capitolini (Öffnet externen Link in neuem FensterBilder):

D(is) M(anibus)
Aniceto prov(ocatori) sp(athario)
Ael(ius) Marcion do-
ctor et primus b(ene) m(erenti) f(ecit)

Übersetzung:
Den Totengöttern. Älius Markion, Doktor und primus palus, hat dem Provocator und Spathiarius (? oder: Spectatus) Anicetus den Grabstein nach seinem Vermögen errichten lassen.

Der inschriftlich als provocator bezeichnete Gladiator trägt einen Schild, ein Kurzschwert, Brustblech und eine Beinschiene. Die als sp abgekürzte Bezeichnung wird unterschiedlich als spathiarius, d.h. Spatha- bzw. Langschwertträger, oder spectatus aufgelöst. Ersteres würde ihn mit einer besonderes Waffengattung in Verbindung bringen, ein Vorgang, nach dem die andernorts belegten Inschriften thraex sp bzw. murmillo sp analog zu ergänzen wären. Nach anderem Vorschläg wäre sp zu spectatus zu ergänzen, d.h. vom Volk gesehen, was soviel wie ein Rangbezeichnung wäre und bedeuteten solle, dass er den ersten Auftritt als Gladiator hinter sich hatte, also vom Volk bereits gesehen wurde, aber noch nicht zu den veterani aufgestiegen war.

Literatur: P.J. Meier, De gladiatura romana quaestiones selectae (Bonn 1881) 52; RE Suppl. III (Stuttgart 1918) 778 s.v. gladiator (K. Schneider); D. Facenna, Rilievi gladiatori, BullCom 73, 1949-50 (1952), Appendice 5; P. Sabbatini Tumolesi, Roma, Epigrafia anfiteatrale dell'Occidente Romano, I (Rom 1988) 59; M. Junkelmann, Das Spiel mit dem Tod. So kämpften Roms Gladiatoren (Mainz 2000) 92. 114 Abb. 167.

Grabreliefs aus Dyrrhachium.
Öffnet internen Link im aktuellen FensterGrabstein des Provocators Euprepes; FO: Erdek bei Kyzikos; AO: Istanbul Arch. Mus. Inv. 2209.
Grabstein des Diodoros aus Amisos im Musée Cinquantennaire Brüssel (Bild: Pfuhl - Möbius Taf. 188)
Grabstein des Diodoros aus Amisos; AO: Brüssel (Öffnet externen Link in neuem FensterPHI):

ἐνϑάδε νεικήσας κεῖμαι Διόδωρος
ὁ τλήμων· / ἀντίπαλον ῥήξας
Δημήτριον οὐκ ἔκτανον εὐϑύς, /
ἀλλά με Μοῖρ’ ὀλοὴ καὶ σουμμά-
ρου δόλος αἰνὸς / ἔκτανον, ἐκ δὲ
ϕάους ἤλυϑον εἰς Ἀΐδην. / [κεῖ]-
μαι δ’ ἐν γαίῃ αὐτοχϑόνων· ἠδέ μ’ ἔ-
ϑαψεν / ἔνϑα ϕίλος ἀγαϑὸς εὐσε-
βίης ἕνεκεν. 

Beschreibung: Die linke in Siegerpose stehende Figur vor einem Palmzweig hält in beiden Händen einen Dolch bzw. ein Kurzschwert. Vor ihm ist der Gegner zu Boden gefallen und hebt die rechte Hand zum Zeichen der Aufgabe. Beide sind gleich bewaffnet: Sie tragen den gleichen Helm mit großem Nackenschutz, ein Brustpectorale, haben beide ihren rechten Arm durch schwere Bandagen geschützt und den linken Arm nackt belassen; ihr linkes Schienbein ist mit einer Panzerschiene geschützt, am linken sind Bandagen sichtbar. Die Szene ist so zu interpretiren, dass der linke Gladiator dem rechten seinen Dolch abgenommen hat und nicht so, dass er mit 2 Dolchen kämpft. Letztere Sichtweise führte in der älteren Forschung dazu, im linken Kämpfer den einzigen bildlichen Beleg für einen dimachaerus zu sehen. Dieser ist jedoch Diodoros, der seinem Gegener die Waffe abgenommen hat, es nach dem manipulativen Eingreifen des summa rudis jedoch versäumte, seinem schon geschlagenen Gegner  den finalen Todesstoß zu geben und nun stattdessen im Hades zu weilen hat.

Literatur: F. Cumont, Recueil des inscriptions du Pont et de l'Armenie, Studia Pontica, III (1910) Nr. 7 mit Abb.; F. Cumont, Catalogue sculptures & inscriptions antiques des musées royaux du cinquantenaire (Bruxelles 1913 2) 102-105 Nr. 80; F. Drexel, Kostüm und Bewaffnung der Gladiatoren, in: L. Friedländer, Darstellungen aus der Sittengeschichte Roms, IV (Leipzig 19219-10) 264-265; P. Graindor, Marbres et textes antiques d'époque imperiale (1922) 15-18 Taf. II Abb. 4; L. Robert, Les gladiateurs dans l'orient grec (Paris 1940) 130-131 Nr. 79; D. Facenna, Rilievi gladiatori, Bullettino della Commissione archeologica comunale di Roma 76, 1959, 40-41; E. Pfuhl - H. Möbius, Die ostgriechischen Grabreliefs (Mainz 1977-79) Nr. 1266 Taf. 188;  G. Ville, La gladiature en Occident des origines à la mort de Domitien, Bibliothèque des écoles françaises d’Athènes et de Rome, 245 (Rom 1981) 3;M. Junkelmann, Das Spiel mit dem Tod. So kämpften Roms Gladiatoren (Mainz 2000) 29 ff. Abb. 40; F. Meijer, Die Gladiatoren (Düsseldorf 2004) 66 Abb.

Grabstein des Euprepes, Museum Milas (Photo: A.M. Blahak).
Grabstein des Provocators Euprepes; FO: Mylasa; AO: Milas Museum Inv. 2826:

Εὐπρέπης

Es handelt sich um eine Ädiculastele. Auf dem horizontalen Rahmenstreifen steht die Grabinschrift. Der rechte senkrechte Rahmen trägt 9 Siegeskränze, drei weitere schweben auf dem Reliefgrund links hinter dem behelmten Kopf des Gladiators. 

Literatur: F. Rumscheid, Regionale Moden bei den Gladiatoren und athletische Eurythmie eines Kochtopfes: vier neugefundene Grabreliefs aus Mylasa, in: T. Korkut (Hrsg.), Anadolu’da Doğdu. Festschrift für Fahri Işik (Istanbul 2004) 633-634 Nr. 2 Abb. 3-4.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterGrabstein eines Provocators aus Kos:

Der als provocator klassifizierbare Gladiator steht frontal in einer Ädikula und umfaßt mit seiner rechten Hand einen riesigen Palmzweig. Im Hintergrund sieht man noch einen Siegeskranz. Sein linker Arm ist mit der manica geschützt, er war also Linkshänder. Sie ruht auf seinem Helm, dessen Visier deutlich angegeben ist. Darunter steht ein kleiner Rechteckschild. Sein rechtes Bein ist mit einer Beinschiene geschützt. Vor der Brust hängt das charakteristische Pektorale mit einer Medusenmaske.

Literatur:  Clara Rhodos 1, 1928, 93 Abb. 74; L. Robert, Les gladiateurs dans l'Orient grec (Paris 1940) 190 Nr. 189; M. Junkelmann, Das Spiel mit dem Tod. So kämpften Roms Gladiatoren (Mainz 2000) 114 Abb. 168.

Relief mit Darstellung eines provocator aus Ephesos in Berlin, Pergamonmuseum (Photo: R. Gogräfe).
Relief mit Darstellung eines Provocators; FO: Ephesos; AO: Berlin, Pergamon-Museum Inv. 794:

Es handelt um eines von mehreren Reliefs einer Brüstung. Den Gladiator umgeben auf dem Reliefgrund 4 Siegeskränze. Sein Helm ist der typische eines Provocators. Vor seiner Brust trägt er ein Pectorale, in seiner rechten Hand ein Kurzschwert, mit der linken einen Rechteckschild, eine Beinschiene schützt sein linkes Schienbein, sein rechtes Bein ist mit Bandagen umwickelt.

Literatur: Sport und Spiel bei den Griechen und Römern. Bildwerke aus den Staatlischen Museen zu Berlin (Berlin 1934) Nr. 36  Taf. 52; M. Junkelmann, Das Spiel mit dem Tod. So kämpften Roms Gladiatoren (Mainz 2000) 56 Abb. 70; S. 115.

Grabinschrift eines Provocators; FO: Demetrias (?); AO: Volos, Museum:

Literatur: L. Robert, Monuments de gladiateurs dans l'Orient grec, Hellenica VIII (Paris 1950) 39 Nr. 337 Taf. XV 4.

Grabstein des Hapleros; FO: östl. Mittelmeergebiet; SEG 1980, 1800:

Lit.: P. Frisch - A. Geissen, Grabstele für einen Provocator, ZPE 39, 1980, 193-195 Taf. 4a; BE 1982, 107; A. Geissen, Zum Provocator Hapleros, ZPE 55, 1984, 228; SEG 1984, 1653; M.J.D. Carter, The presentation of gladiatorial spectacles in the Greek East: Roman culture and Greek identity (Diss. Ann Arbor 2007) 70; 389 f. Nr. 465.

Pilgerflasche aus dem östlichen Mittelmeergebiet; AO: Mainz, RGZM:

Dargestellt ist Kampf zweier provocatores. Rechts ist ein Schiedsrichter sichtbar.

Literatur: M. Junkelmann, Das Spiel mit dem Tod. So kämpften Roms Gladiatoren (Mainz 2000) 115 Abb. 169.

Literatur

Ch. Daremberg - E. Saglio (Hrsg.), Dictionnaire des Antiquités Grecques et Romaines, II 2 (Paris 1918) 1585 s.v. Gladiateur (G.Lafaye).

RE Suppl. III (Stuttgart 1918) 777 s. v. gladiatores (K. Schneider).

M. Junkelmann, Familia Gladiatoria, in: E. Köhne - C. Ewigleben (Hrsg.), Caesaren und Gladiatoren, Die Macht der Unterhaltung im antiken Rom. Begleitbuch zur Ausstellung Historisches Museum der Pfalz, Speyer, 9. Juli-1. Oktober 2000 (Mainz 2000) 45 ff.; 63 f.

M. Junkelmann, Das Spiel mit dem Tod. So kämpften Roms Gladiatoren (Mainz 2000) 114-116.

weblinks:

Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.richandstrange.com/gladiator/g_provoc_notes.html