Porträtbüste des M. Tullius Cicero; Rom, Capitolinische Museen (Photo: © Freud).
Cicero, Tusculanen II 17,41:

(41) ... gladiatores, aut perditi homines aut barbari, quas plagas perferunt! quo modo illi, qui bene instituti sunt, accipere plagam malunt quam turpiter vitare! quam saepe apparet nihil eos malle quam vel domino satis facere vel populo! mittunt etiam vulneribus confecti ad dominos qui quaerant quid velint; si satis eis factum sit, se velle decumbere. Quis mediocris gladiator ingemuit, quis vultum mutavit umquam? quis non modo stetit, verum etiam decubuit turpiter? quis, cum decubuisset, ferrum recipere iussus collum contraxit? Tantum exercitatio, meditatio, consuetudo valet. Ergo hoc poterit

Samnis, spurcus homo, vita illa dignus locoque,

vir natus ad gloriam ullam partem animi tam mollem habebit, quam non meditatione et ratione conroboret? Crudele gladiatorum spectaculum et inhumanum non nullis videri solet, et haud scio an ita sit, ut nunc fit. Cum vero sontes ferro depugnabant, auribus fortasse multae, oculis quidem nulla poterat esse fortior contra dolorem et mortem disciplina.

(41) ... Die Gladiatoren, verworfene Menschen oder Barbaren, was für Schläge halten sie aus! Wie jene, die gut trainiert sind, sich lieber den Schlägen aussetzen als sie mit Schande vermeiden! Wie oft zeigt es sich, dass sie nichts lieber wollen als entweder ihrem Herren oder dem Volke gefallen! Sogar mit Wunden bedeckt, schicken sie Boten zu ihrem Herrn, um sich zu erkundigen, was dieser wünscht: Wenn er zufrieden ist, seien sie bereit, den Todesstoß zu empfangen. Welcher auch nur einigermaßen tüchtige Gladiator hat je gestöhnt und hat eine Miene verzogen? Wer hat sich jemals im Stehen oder sogar im Fallen schimpflich gezeigt? Wer hat den Kopf eingezogen, als er gefallen war und den Befehl erhielt, den Hals hinzuhalten? Soviel vermag die Übung, das Lernen, die Gewohnheit.

Was nun dies "ein Samniter vermag, ein ordinärer Mensch, eines solchen Lebens und Ranges wohl wert", wird ein Mann, der zum Ruhme geboren ist, in irgendeinem Teil seiner Seele so weichlich sein, dass er sie nicht durch Lernen und Überlegung stärken kann? Manchen kommt das Gladiatorenspiel grausam und unmenschlich vor und ich bin nicht sicher, ob es nicht stimmt, so, wie diese Spiele jetzt gegeben werden. Als aber Verbrecher mit dem Schwert kämpften, so konnte es, wenn nicht für die Ohren, so doch sicher für die Augen keine härtere Schulung gegen den Tod und den Schmerz geben als diese. ... (Übers. nach O. Gigon)

Cicero, pro Sestio:

L (106) ... etenim tribus locis significari maxime de (re publica) populi Romani iudicium ac voluntas potest, contione, comitiis, ludorum gladiatorumque consessu. ...

„ ... Denn bei drei Gelegenheiten kann das römische Volk seine politische Ansicht und Gesinnung am deutlichsten äußern: in der Volksversammlung, bei den Komitien und in den Massenversammlungen im Theater und bei den Gladiatorenkämpfen. ... "

LXIV (133) ... Acta mea sibi ait displicere. quis nescit? qui legem meam contemnat, quae dilucide vetat gladiatores biennio quo quis petierit aut petiturus sit dare. (134) ... facit apertissime contra legem; ... familiam gladiatoriam, credo, nactus est speciosam, nobilem, gloriosam; norat studia populi, videbat clamores et concursus futuros. hac exspectatione elatus homo flagrans cupiditate gloriae tenere se non potuit quin eos gladiatores induceret, quorum esset ipse pulcherrimus. si ob (eam) causam peccaret, pro recenti populi Romani in se beneficio populari studio elatus, tamen ignosceret nemo: cum vero ne de venalibus quidem homines electos, sed ex ergastulis emptos nominibus gladiatoriis ornarit, et sortito alios Samnitis alios provocatores fecerit, tanta licentia, tanta legum contemptio nonne quem habitura sit exitum pertimescit? (135) sed habet defensiones duas: primum 'do,' inquit, 'bestiarios: lex scripta de gladiatoribus.' Festive! accipite aliquid etiam acutius. dicet se non gladiatores, sed unum gladiatorem dare et totam aedilitatem in munus hoc transtulisse. praeclara aedilitas! unus leo, ducenti bestiarii. ...

... Meine Politik gefiele ihm nicht, sagt er (d.i. Öffnet externen Link in neuem FensterPublius Vatinius). Wer weiß das nicht, da er ja mein Gesetz missachtet, das ausdrücklich verbietet, während zweier Jahre vor einer bereits eingeleiteten oder auch erst beabsichtigten Amtsbewerbung Gladiatorenkämpfe zu veranstalten? (134) ... Er handelt ganz offen gegen das Gesetz. ... Ohne Zweifel hat er eine glänzende und ruhmreiche Gladiatorentruppe gefunden; er kannte den Geschmack des Volkes, er sah voraus, dass es in Massen herbeiströmen und beifall spenden würde. Von dieser Erwartung beschwingt, brennend vor Geltungsdrang, konnte er sich nicht enthalten, diese Gladiatoren vorzuführen, unter denen er selbst doch der allerschönste war. Wenn ihn das Streben nach Popularität zu diesem Fehlverhalten verführt hätte, um dem römischen Volk für eine gerade erwiesene Gefälligkeit zu danken, so würde ihm das schon niemand verzeihen. Nun aber, da er nicht einmal unter den zum Verkauf gestellten Sklaven seine Auswahl getroffen, sondern Leute aus den Arbeitshäusern gekauft und mit den namen von Gladiatoren geschmückt hat – durchs Los hat er die einen zu Samniten, die anderen zu provocatores gemacht -, muss ihm da nicht Angst und bange werden, was eine solche Willkür, eine solche Missachtung der Gesetze für Folgen haben kann? (135) Aber er hat ja zwei Ausreden. Erstens sagt er: „Ich lasse Kämpfer gegen wilde Tiere auftreten, das Gesetz aber spricht von Gladiatoren.“ Ein köstlicher Witz! Doch hört, es kommt noch raffinierter. Er wird sagen, er lasse keine Gladiatoren auftreten, sondern nur einen einzigen Gladiator und habe das ganze für seine Ädilität bestimmte Geld für diese Veranstaltung verwendet. Eine herrliche Ädilität! Ein Löwe und 200 Kämpfer gegen Tiere! ... (Übers. nach G. Krüger)

Cicero, Atticus II 19:

... populi sensus maxime theatro et spectaculis perspectus est; nam gladiatoribus qua dominus qua advocati sibilis conscissi; Öffnet externen Link in neuem Fensterludis Apollinaribus Diphilus tragoedus in nostrum Öffnet externen Link in neuem FensterPompeium petulanter invectus est;
        nostra miseria/ tu es magnus -
        miliens coactus est dicere;
Eandem virtutem istam veniet tempus cum graviter gemes totius theatri clamore dixit itemque cetera. ... et cetera magno cum fremitu et clamore sunt dicta. Caesar cum venisset mortuo plausu, Öffnet externen Link in neuem FensterCurio filius est insecutus. huic ita plausum est ut salva re publica Pompeio plaudi solebat. tulit Caesar graviter. Litterae Capuam ad Pompeium volare dicebantur. inimici erant equitibus qui Curioni stantes plauserant, hostes omnibus; Öffnet externen Link in neuem FensterRosciae legi, etiam frumentariae minitabantur.

„ ... Wie das Volk denkt, hat sich besonders im Theater gezeigt und bei den Schaustellungen. Bei den Gladiatorenspielen wurden sowohl die Veranstalter als auch die Claque jämmerlich ausgepfiffen.
Bei den Öffnet externen Link in neuem FensterApollinarien zog der Tragöde Diphilus frech über unseren Öffnet externen Link in neuem FensterPompeius her: 'durch unser Elend bist du groß' mußte er tausendmal wiederholen. Bei der Stelle 'es kommt einmal die Zeit, wo du seufzen wirst über deine jetzige Stärke' schrie das ganze Theater Beifall und ebenso bei der Fortsetzung. ... und überhaupt wurde das ganze Stück mit Murren und Lärm aufgenommen. Als Cäsar kam, blieb es totenstill. Nach ihm trat der junge Öffnet externen Link in neuem FensterCurio ein; der wurde so beklatscht, wie man Pompeius zu beklatschen pflegte, als der Staat noch in Ordnung war. .... Feind sind sie den Rittern, die aufstanden und Curio mit Händeklatschen begrüßten, stehen im Kampfe mit allen; sie drohen mit Aufhebung des Öffnet externen Link in neuem Fensterroscischen, ja sogar des Getreidegesetzes. ... " (Übers. nach H. Kasten)