Gaius Sollius Modestus Sidonius Apollinaris wurde an einem 5. November des Jahes 431 oder 432 in in Öffnet internen Link im aktuellen FensterLyon geboren und starb nach 479 in Öffnet externen Link in neuem FensterClermont-Ferrand. Er gehörte der gallorömischen Aristokratie an. Im Jahre 468 stieg er zum Stadtpräfekten von Rom auf und war danach Bischof in der Auvergne. Sein Vater und sein Großvater waren jeweils Öffnet externen Link in neuem Fensterpraefectus praetorio Galliarum, bekleideten also das höchste zivile Amt in der spätrömischen Präfektur Galliens. Die Familie gehörte damit zum gallischen Senatsadel und zur weströmischen Reichselite. Um 452 heiratete er seine Cousine Papianilla, die Tochter des späteren weströmischen Kaisers Öffnet externen Link in neuem FensterAvitus. Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor, ein Sohn namens Apollinaris sowie die drei Töchter Roscia, Severiana und Alcima. Ausgebildet wurde Sidonius in Öffnet internen Link im aktuellen FensterLugdunum und Öffnet internen Link im aktuellen FensterArles in Grammatik und Rhetorik, in dem eine formale Schulung an bekannten antiken Dichtern und Rednern, mythologischen Stoffen und der römischen sowie der griechischen Geschichte erfolgte.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterAusgaben und Literatur

Öffnet internen Link im aktuellen FensterQuellentexte

Carmen Öffnet internen Link im aktuellen Fenster13Öffnet internen Link im aktuellen Fenster23.

epistulae Öffnet internen Link im aktuellen Fenster1.2.9Öffnet internen Link im aktuellen Fenster1.10.2; Öffnet internen Link im aktuellen Fenster1.11.10Öffnet internen Link im aktuellen Fenster2.2.6; 5.17; Öffnet internen Link im aktuellen Fenster8.9.5; Öffnet internen Link im aktuellen Fenster9.13.5.

Literatur und Ausgaben

Sidonius Apollinaris, Poems and Letters. With an English translation, introduction and notes by W. B. Anderson (London 1936–65) (Digitalisat).

Sidonius Apollinaris. Texte établi et traduit par André Loyen. 3 Bände, Collection des Universités de France (Paris 1960–1970)

Helga Köhler, C. Sollius Apollinaris Sidonius. Briefe. Buch I. Einleitung, Text, Übersetzung, Kommentar, Bibliothek der klassischen Altertumswissenschaften, NF, Reihe 2, 96 (Heidelberg 1995)

Judith Hindermann, Sidonius Apollinaris, Letters, Book 2. Text, Translation, and Commentary (Edinburgh 2022)

Helga Köhler, C. Sollius Apollinaris Sidonius. Die Briefe. Eingeleitet, übersetzt und erläutert, Bibliothek der Mittellateinischen Literatur, 11 (Stuttgart 2014)

weblinks:

Öffnet externen Link in neuem Fensterwikipedia

Quellentexte

Sidonius Apollinaris carm. 13.
Sidonius Apollinaris, carmen 23.307-427.
Sidonius Apollinaris epist. 1.2.9

In einem Brief an Agricola, den Schwager von Sidonius, heißt es ca. 455 n.Chr. zu Öffnet externen Link in neuem FensterTheoderich II.:

9. ... sane intromittuntur, quamquam raro, inter cenandum mimici sales, sed ita ut nullus conviva mordacis linguae felle feriatur; sic tamen, quod illic nec organa hydraulica sonant nec sub Öffnet externen Link in neuem Fensterphonasco vocalium concentus meditatum acroama simul intonat; nullus ibi lyristes choraules mesochorus tympanistria psaltria canit, rege solum illis fidibus delenito, quibus non minus mulcet virtus animum quam cantus auditum.

9 … In der Tat werden, wenn auch selten, bei der Abendmahlzeit witzige mimische Aufführungen zugelassen, die aber so sind, dass kein Gast sich durch die Galle bissiger Sprüche verletzt fühlen muss, doch auch so, dass dort weder Öffnet internen Link im aktuellen FensterWasserorgeln ertönen noch ein Vokalensemble ein unter einem Gesangslehrer einstudiertes Stück dazu schmettert. Kein Lyra- oder Auloskünstler, kein Dirigent, keine Handpaukenschlägerin oder Psalterspielerin musiziert dort, weil den König nur solche Gesänge in eine milde Stimmung versetzen, bei denen das Herz sich nicht weniger für das Heldentum begeistert als das Ohr für den Gesang. (Übers. H. Köhler)

Lit.: Norman Davies, Verschwundene Reiche (Darmstadt 2013) 32-33; A. Puk, Das römische Spielewesen in der Spätantike, Millenium-Studien, 48 (Berlin  - Boston 2014) 79-80. 304; Ralph W. Mathisen, Les barbares ont-ils sauvé la civilisation? Ou l'interaction entre Romains et barbares au temps des reines et des rois wisigothes de Toulouse, Jardin des Antiques 64, 2023, 49.

Sidonius Apollinaris epist. 1.10.2

1. Accepi per Öffnet externen Link in neuem Fensterpraefectum annonae litteras tuas, ...

1 Durch meinen praefectus annonae habe ich Deinen Brief erhalten. …

2. sed et tu vigilantiae suae me id est famae meae statum causamque commenda. vereor autem, ne famem populi Romani theatralis caveae fragor insonet et infortunio meo publica deputetur esuries. 

2 Jedoch empfiehl auch Du Deinerseits mich, das heißt den Erhalt und die Verteidigung meiner Reputation, seiner Wachsamkeit. Ich befürchte indessen, dass das Zuschauerrund des Theaters erdröhnt vom Hunger des römischen Volkes und dass der allgemeine Mangel an Nahrung mir als glücklose Amtsführung angelastet wird. …. (Übers. H. Köhler)

Sidonius Apollinaris epist. 1.11.10

10. postridie iussit Augustus, ut epulo suo circensibus ludis interessemus. primus iacebat cornu sinistro consul ordinarius Severinus, ...

10 Tags darauf gebot der Kaiser, dass ich an einem Essen anlässlich der Zirkusspiele teilnehmen solle. Als erster Gast lagerte auf der linken Seite der Konsul ordinarius Öffnet externen Link in neuem FensterSeverinus (461) … (Übers. H. Köhler)

Sidonius Apollinaris, epist. 2.2.6

6 Da wird nicht mit der nackten Schönheit gemalter Körper eine liederliche Geschichte öffentlich ausgestellt, die zwar die Kunst ehrt, aber den Künstler entehrt. Es gibt keine lächerlich gekleideten und geschminkten Schauspieler, die mit vielen bunten Farben die Aufmachung des Öffnet externen Link in neuem FensterPhilistio nachahmen. Es gibt auch keine vom Öl glitschigen, in Faustkampf und Verknotungen verrenkten Ringer, deren Kampf auch in der Wirklichkeit , wenn sie sich dabei allzu obszön umschlingen, sofort die keusche Rute des Gymnasiarchen abbricht.

Sidonius Apollinaris epist. 8.9.5

In einem Brief an den Rhetor und Dichter Lampridius von Bordeaux heißt es: 

5. his adhuc adde, quod materiam, cui non auditor potius sed lector obtigerit, nihil absentis auctoris pronuntiatio iuvat. neque enim post opus missum superest quod poeta vel vocalissimus agat, quem distantia loci nec hoc facere permittit, quod solent chori pantomimorum, qui bono cantu male dictata commendant.

5 Bedenke noch darüber hinaus, dass ein Text, dem kein Zuhörer, sondern nur ein Leser zuteil wird, durch den Vortrag des anwesenden Autors keinerlei Unterstützung erfährt. Und so bleibt, wenn er sein Werk abgeschickt hat, auch dem stimmgewaltigsten Dichter nichts mehr übrig, denn die räumliche Entfernung gestattet es ihm nicht einmal, das zu tun, was Chöre der Öffnet externen Link in neuem FensterPantomimen gewöhnlich tun, wenn sie durch ihren guten Vortrag einem schlechten Gedicht zum Erfolg verhelfen. (Übers. H. Köhler)

Lit.: A. Puk, Das römische Spielewesen in der Spätantike, Millenium-Studien, 48 (Berlin - Boston 2014) 305; Ralph W. Mathisen, Les barbares ont-ils sauvé la civilisation? Ou l'interaction entre Romains et barbares au temps des reines et des rois wisigothes de Toulouse, Jardin des Antiques 64, 2023, 49.

Sidonius Apollinaris 9.13.5 Z. 74-83.