Tertullian kam als Sohn eines römischen Soldaten in Karthago zur Welt. Als Heide geboren trat er zum Christentum über und wurde als frühchristlicher Schriftsteller bekannt. In seinen Werken finden sich ausgesprochen viele Hinweise zum antiken Spielewesen und konkret reflektieren diese sicherlich seine persönlichen Erlebnisse im Öffnet externen Link in neuem FensterTheater und Öffnet internen Link im aktuellen FensterAmphitheater von Karthago sowie in Rom.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterLiteratur

Tertullian, de spectaculis Öffnet internen Link im aktuellen Fenster3. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster6Öffnet internen Link im aktuellen Fenster7. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster8. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster9Öffnet internen Link im aktuellen Fenster12. 15. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster19. 22. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster25. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster30.

Tertullian, apologeticum Öffnet internen Link im aktuellen Fenster15. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster42. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster44.

Tertullian, ad martyres Öffnet internen Link im aktuellen FensterI 2; Öffnet internen Link im aktuellen FensterV 1.

Tertullian, ad nationes I 10.

Tertullian, scorpiace 6.

Tertullian, de spectaculis III:

(1) hac conscientia instructi adversus opinionem ethnicorum convertamur magis ad nostrorum detractatus. quorundam enim fides aut simplicior aut scrupulosior ad hanc abdicationem spectaculorum de scripturis auctoritatem exposcit et se in incertum constituit, quod non significanter neque nominatim denuntietur servis dei abstinentia eiusmodi. (2) plane nusquam invenimus, quemadmodum aperte positum est: "non occides, non idolum coles, non adulterium, non fraudem admittes", ita exerte definitum: non ibis in circum, non in theatrum, agonem, munus non spectabis. ... (6) quid, quod et cetera congruunt: nam apud spectacula et in cathedra sedetur et in via statur; vias enim et cardines vocant Öffnet externen Link in neuem Fensterbalteorum per ambitum et discrimina popularium per proclivum; cathedra quoque nominatur ipse in anfractu ad consessum situs.

„(1) Nachdem wir durch diese Erwägung gegen die heidnische Ansicht gerüstet sind, wollen wir uns nun umsomehr gegen die Ausflüchte der Unsrigen wenden. Einige verlangen in ihrem allzu buchstäblichen oder zu grüblerischen Glauben behufs der geforderten Enthaltung von den Spielen einen Beleg aus der Hl. Schrift und erklären die Sache für nicht entschieden, weil diese Enthaltung den Dienern Gottes nicht in deutlicher und direkter Weise befohlen wird. (2) Freilich finden wir nirgends in der Weise, wie es sonst ganz deutlich heisst: „Du sollst nicht töten, du sollst keinen Götzen verehren, du sollst nicht ehebrechen, du sollst keinen Betrug begehen" — unumwunden festgesetzt: Du sollst nicht in den Zirkus gehen, nicht ins Theater, du sollst nicht den Wettkämpfen und den Spielen zuschauen! ... (6) Auch alles übrige passt. Denn auch bei den Schauspielen steht man auf dem Wege, Wege und Durchgänge nennt man nämlich die Abteilungswege der Terrassen ringsherum und in der Richtung nach unten zur Trennung der Klassen des Publikums, Gestühl werden die Sitzplätze in der Rundung ringsumher genannt. ...  "

Tertullian, de spectaculis VII 2.

(1) communis igitur origo ludorum utriusque generis, communes et tituli, ut de communibus causis. perinde apparatus communes habeant necesse est de reatu generali idololatriae conditricis suae. (2) sed circensium paulo pompatior suggestus, quibus proprie hoc nomen: Öffnet internen Link im aktuellen Fensterpompa praecedens, quorum sit in semetipsa probans de simulacrorum serie, de imaginum agmine, de curribus, de tensis, de armamaxis, de sedibus, de coronis, de exuviis. (3) quanta praeterea sacra, quanta sacrificia praecedant, intercedant, succedant, quot collegia, quot sacerdotia, quot officia moveantur, sciunt homines illius urbis, in qua daemoniorum conventus consedit. (4) ea si minore cura per provincias pro minoribus viribus administrantur, tamen omnes ubique circenses illuc deputandi, unde et petuntur, inde inquinantur, unde sumuntur. nam et rivulus tenuis ex suo fonte et surculus modicus ex sua fronde qualitatem originis continet. (5) viderit ambitio sive frugalitas eius, quod deum offendit qualiscumque pompa circi: etsi pauca simulacra circumferat, in uno idololatria est; etsi unam tensam trahat, Iovis tamen plaustrum est; quaevis idololatria sordide instructa vel modice locuples et splendida est censu criminis sui.

„ (1) Beide Arten von Spielen haben also einen gemeinschaftlichen Ursprung und wegen der gemeinsamen Veranlassung auch gemeinschaftliche Benennungen. Deswegen haben sie notwendigerweise auch die Zurüstungen gemein von wegen der gemeinschaftlichen Verschuldung ihrer Mutter, der Idololatrie. (2) Doch ist bei den Zirzensischen Spielen das vorangehende Gepränge, welchem der Name Öffnet internen Link im aktuellen FensterPompa eigen ist, noch um etwas pomphafter. Bei ihnen sind gegen ihren Charakter beweisend: Die lange Reihe der Götterbilder, die Schar der Ahnenbilder, die Fuhrwerke aller Art, die Sänften, die Kränze, die Waffenrüstungen. (3) Wieviele Feierlichkeiten, wieviele Opferhandlungen gehen außerdem vorher, werden eingeschaltet und folgen hinterher, wieviele Bruderschaften, wieviele Priester- und Amtskollegien werden in Bewegung gesetzt! Das wissen am besten die Einwohner jener Stadt, in der sich die ganze Dämonenversammlung befindet. (4) Wenn diese Dinge in den Provinzen wegen der geringeren Mittel mit weniger Sorgfalt betrieben werden, so sind doch die ganzen Zirkusspiele an allen Orten als dahin gehörig anzusehen, wo sie herkommen; ihr befleckter Charakter schreibt sich daher, woher sie stammen. Denn auch ein kleines Rinnsal bekommt von seiner Quelle und ein kleiner Schößling von dem Stamme die Eigenschaften seines Ursprungs. (5) Ob Reichlichkeit oder Spärlichkeit dieses Pompes, das bleibt sich ganz gleich, wenn jeglicher Pomp des Zirkus, wie immer beschaffen, für Gott schon beleidigend ist. Sollten auch nur ein paar Götzenbilder herumgetragen werden, eins genügt schon zur Idololatrie: wenn man auch nur ein Fuhrwerk umherführt, es ist der Wagen Jupiters; jede Art Idololatrie, die ärmlich ausgestattete sowie die mit Glanz und Reichtum auftretende, trägt den Charakter ihres besonderen Verbrechens."

Tertullian, spect. VIII:

(1) ut et de locis secundum propositum exequar, circus Soli principaliter consecratur. cuius aedes in medio spatio et effigies de fastigio aedis emicat, quod non putaverunt sub tecto consecrandum quem in aperto habent.

1 Um unserem Plan gemäß auch von den Orten zu handeln, so ist der Zirkus hauptsächlich dem Sonnengott geweiht, dessen Tempel im mittleren Raum und dessen Bild vom Giebel des Tempels leuchtet, weil man den, welchen man im Freien sieht, nicht unter einem Dach zur Verehrung glaubte ausstellen zu dürfen.

(2) qui spectaculum primum a Circa Soli patri suo, ut volunt, editum affirmant, ab ea et circi appellationem argumentantur. plane venefica eis utique negotium gessit hoc nomine, quorum sacerdos erat, daemoniis et angelis scilicet. quot igitur in habitu loci illius idololatrias recognoscis?

2 Diejenigen, welche behaupten, dass das erste Zirkusspiel von der Öffnet externen Link in neuem FensterCirce, und zwar, wie sie vorgeben, zu Ehren ihres Vaters Sol veranstaltet worden sei, leiten von ihr auch den Namen Zirkus ab. Ganz natürlich hat diese Unholdin jenes Geschäft im Namen derer verrichtet, deren Priesterin sie war, der Dämonen nämlich und der bösen Engel. Wieviel Götzendienerisches erblickst du also schon in der äusseren Erscheinung des Ortes!

(3) singula ornamenta circi singula templa sunt. ova honori Castorum adscribunt, qui illos ovo editos credendo de cygno Iove non erubescunt. delphines Neptuno vomunt, columnae Sessias a sementationibus, Messias a messibus, Tutulinas a tutela fructuum sustinent;

3 Die einzelnen Ornamente des Zirkus sind ebensoviele Tempel. Die Eier wählte man zu Ehren der Öffnet externen Link in neuem FensterKastoren, weil man sich nicht schämte, zu glauben, sie seien von Jupiter gezeugt aus einem Ei des Schwanes geboren; die Delphine speien zu Ehren des Neptun, die Säulen tragen Göttinnen: Die Sessiae sind vom Säen, die Messiae vom Ernten, die Tutulinae von der Beschützung der Früchte so genannt.

(4) ante eas tres arae trinis deis parent, Magnis Potentibus Valentibus. eosdem Samothracas existimant.

4 Vor ihnen sind drei Altäre zu sehen für je drei Gottheiten, die sog. Grossen, Mächtigen und Starken. Man hält ebendieselben für samothrakisch.

(5) obelisci enormitas, ut Hermateles affirmat, Soli prostituta. scriptura eius unde eius et census: de Aegypto superstitio est. frigebat daemonum concilium sine sua Matre Magna; ea itaque illic praesidet euripo.

5 Der Obelisk in seiner Länge ist, wie Hermateles versichert, zur Ehre des Sonnengottes vorn hingestellt, die darauf befindliche Inschrift enthält einen Aberglauben Ägyptens, woher der Obelisk stammt. Es würde aber dieser Dämonengesellschaft etwas fehlen, wenn nicht ihre Magna Mater dabei wäre, deshalb ist auch diese dort und führt die Aufsicht über den Wassergraben.

(6) Consus, ut diximus, apud metas sub terra delitescit Murcias. eas quoque idolum fecit: Murciam enim deam amoris volunt, cui in illa parte aedem voverunt.

6 Consus hält sich, wie oben bemerkt, bei den Murcischen Merksäulen unter der Erde verborgen. Auch daraus hat man ein Idol gemacht. Murcia soll nämlich eine Liebesgöttin sein, der man an jener Stelle einen Tempel gelobt hat.

(7) animadverte, Christiane, quot nomina inmunda possederint circum. aliena est tibi regio, quam tot diaboli spiritus occupaverunt. de locis quidem locus est retractandi ad praeveniendam quorundam interrogationem.

7 Nun, mein Christ, bemerke, wie viele unreine Wesen sich in den Besitz des Zirkus teilen! Eine Religion, von welcher so viele teuflische Geister Besitz genommen haben, ist dir sicher fremd. Hinsichtlich der Örtlichkeit ist nun aber hier der Ort, recht genau zu handeln, um eine gewisse Frage abzuschneiden.

(8) quid enim, inquis, si alio in tempore circum adiero, periclitabor de inquinamento? nulla est praescriptio de locis. nam non sola ista conciliabula spectaculorum, sed etiam templa ipsa sine periculo disciplinae adire servus dei potest urguente causa simplici dumtaxat, quae non pertineat ad proprium eius loci negotium vel officium.

8 „Wie steht es", fragt man, „wenn ich zu einer ändern Zeit den Zirkus betrete; bin ich dann auch noch der Gefahr der Befleckung ausgesetzt?" — Es gibt kein Verbot, das den Besuch eines Ortes beschränkte. Denn nicht nur die genannten Versammlungsorte der Spiele, sondern sogar die Tempel selbst kann der Diener Gottes ohne Gefährdung der Kirchenzucht betreten, auf eine dringende Ursache hin, wenn sie nur nicht auf die eigentliche Bestimmung und den Charakter des Ortes Bezug hat.

(9) ceterum et plateae et forum et balneae et stabula et ipsae domus nostrae sine idolis omnino non sunt: totum saeculum satanas et angeli eius repleverunt.

9 Schließlich sind ja doch auch die Strassen, der Markt, die Bäder und Ställe, ja selbst unsre Häuser mit Götterbildern versehen, ja die ganze Welt ist vom Satan und seinen Engeln erfüllt.

(10) non tamen quod in saeculo sumus, a deo excidimus, sed si quid de saeculi criminibus attigerimus. proinde si Capitolium, si Serapeum sacrificator vel adorator intravero, a deo excidam, quemadmodum circum vel theatrum spectator. loca nos non contaminant per se, sed quae in locis fiunt, a quibus et ipsa loca contaminari altercati sumus: de contaminatis contaminamur.

10 Wir fallen durch den bloßen Umstand, dass wir in der Welt sind, noch nicht von Gott ab, sondern nur dann, wenn wir uns an irgend etwas von den Verbrechen der Welt beteiligen. Folglich wenn ich das Kapitolium, wenn ich das Serapeum betrete als einer, der dort opfert oder anbetet, dann falle ich von Gott ab, ebenso wenn ich den Zirkus und das Theater in der Eigenschaft als Zuschauer betrete. Die Örtlichkeiten an sich sind nicht imstande uns zu beflecken, wohl aber das, was daselbst geschieht, und wodurch eben, wie wir zu erhärten gesucht haben, die Örtlichkeiten befleckt werden. Durch Beflecktes werden wir befleckt.

(11) propterea autem commemoramus, quibus eiusmodi loca dicentur ut eorum demonstremus esse quae in iis locis fiunt, quibus ipsa loca dicantur.

11 Deswegen eben erinnern wir daran, wenn jene Orte geheiligt sind, um zu zeigen, dass das, was an diesen Orten vor sich geht, denen angehöre, welchen sie geweiht sind.

Tertullian, spect. IX:

(1) nunc de artificio quo circenses exhibentur. res equestris retro simplex: de dorso agebatur, et utique communis usus reus non erat. sed cum ad ludos coactus est, transiit a dei munere ad daemoniorum officia.

1 Nun die Kunstfertigkeiten, in deren Ausübung die Zirkusspiele bestehen. Was die Anwendung der Rosse betrifft, so wurde sie ehedem einfach betrieben im Sattel gelenkt, und der allgemeine Gebrauch hat sicher nichts Böses verschuldet. Aber indem man ihn in die Spiele hineinzog, wurde er aus einer Gabe Gottes zu einer Dienstleistung für den Teufel,

(2) itaque Castori et Polluci deputatur haec species, quibus equos a Mercurio distributos Stesichorus docet. sed et Neptunus equestris est, quem Graeci "ippion" appellant.

2 Und so wurde diese Mode dem Kastor und Pollux zugeschrieben, denen die von Merkur zugeteilten Pferde abrichtetet worden sind, wie Stesichoros meint. Aber auch Neptun, den die Griechen Hippios nennen, ist eine Pferdegottheit.

(3) de iugo vero Iovi, quadrigas Soli, bigas Lunae sanxerunt. sed et primus Erichthonius currus et quattuor ausus iungere equos rapidusque rotis insistere victor. Erichthonius, Minervae et Vulcani filius, et quidem de caduca in terram libidine, portentum est daemonicum, immo diabolus ipse, non coluber.

3 Was die Jochpferde betrifft, so hat man die Viergespanne dem Sonnengott, das Zwiegespann der Luna geheiligt. Aber „als der erste wagte es Erichthonius, Wagen und vier Pferde zu verbinden und in reißender Schnelle als Sieger auf dem Gefährt zu stehen", Erichthonius, ein Sohn der Minerva und des Vulkan, und zwar infolge der zur Erde herabgefallenen Brunst, ist ein dämonisches Scheusal oder vielmehr der Teufel selbst, jedoch keine Schlange.

(4) si vero Trochilus Argivus auctor est currus, primae Iunoni id opus suum dedicavit. si Romae Romulus quadrigam primus ostendit, puto et ipse inter idola conscriptus est, si idem est Quirinus.

4 Für den Fall aber, dass der Argiver Trochilus der Verfertiger des ersten Wagens gewesen wäre, so hat er dies sein Werk der Juno gewidmet. Wenn aber zu Rom Romulus zuerst mit einem Wagen aufgetreten ist, so ist er, vermute ich, wenn er derselbe mit Quirinus ist, auch unter die Götzen eingetragen worden.

(5) talibus auctoribus quadrigae productae merito et aurigas coloribus idololatriae vestierunt. namque initio duo soli fuerunt, albus et russeus. albus hiemi ob nives candidas, russeus aestati ob solis ruborem voti erant. sed postea tam voluptate quam superstitione provecta russeum alii Marti, alii album Zephyris consecraverunt, prasinum vero Terrae matri vel verno, venetum Caelo et Mari vel autumno.

5 Die Viergespanne, die von solchen Erfindern ausgegangen sind, haben ihre Lenker nun auch in die Farben des Götzendienstes gekleidet. Denn anfangs waren es nur zwei, die weiße und die rote. Die weiße war dem Winter wegen der Weiße des Schnees, die rote dem Sommer wegen der Röte der Sonnenglut geweiht. Später aber, nachdem sowohl die Vergnügungssucht als auch der Aberglaube zugenommen hatten, widmete man die rote Farbe dem Mars, die weiße den Zephyren, die grüne aber der Mutter Erde oder dem Frühling und die blaue dem Himmel, dem Meer oder dem Herbst.

(6) cum autem omnis species idololatriae damnata sit a deo, utique etiam illa damnatur, quae elementis mundialibus profanatur.

6 Da nun aber jegliche Art des Götzendienstes von Gott verdammt ist, so wird natürlich auch diejenige von Gott verdammt, welche den Bestandteilen der Welt dargebracht wird.

Tertullian, de spectaculis XII (Öffnet externen Link in neuem Fensterlat. Text; Öffnet externen Link in neuem FensterBibliotheca Augustana):

(1) superest illius insignissimi spectaculi ac receptissimi recognitio. munus dictum est ab officio, quoniam officium etiam muneris nomen est. officium autem mortuis hoc spectaculo facere se veteres arbitrabantur, posteaquam illud humaniore atrocitate temperaverunt. (2) nam olim, quoniam animas defunctorum humano sanguine propitiari creditum erat, captivos vel mali status servos mercati in exequiis immolabant. (3) postea placuit impietatem voluptate adumbrare. itaque quos paraverant, armis quibus tunc et qualiter poterant eruditos, tantum ut occidi discerent, mox edicto die inferiarum apud tumulos erogabant. ita mortem homicidiis consolabantur. (4) haec muneri origo. sed panlatim provecti ad tantam gratiam, ad quantam et crudelitatem, quia ferarum voluptati satis non fiebat nisi et feris humana corpora dissiparentur. quod ergo mortuis litabatur, utique parentationi deputabatur; quae species proinde idololatria est, quoniam et idololatria parentationis est species: tam haec quam illa mortuis ministrat. (5) in mortuorum autem idolis daemonia consistunt.

„ (1) Es fehlt nun noch die Würdigung des herrlichsten und verbreitetsten unter den Schauspielen. Munus wird es genannt von der Pflicht, weil Pflicht ein anderer Ausdruck für Munus ist. Einen Dienst aber glaubten die Alten durch diese Spiele den Toten zu erweisen, nachdem sie den Charakter derselben durch eine gelindere Art von Grausamkeit gemildert hatten. (2) Früher kaufte und opferte man bei den Leichenbegängnissen Gefangene oder böse Sklaven, weil man glaubte, die Geister der Toten durch Menschenblut zu versöhnen. (3) Späterhin zog man es vor, diese Gottlosigkeit zu einem Vergnügen umzuwandeln. Und so wurden Leute, welche man beschafft hatte, bloß um zu lernen, wie man sich totschlagen zu lassen habe, in dem Gebrauch der Waffen unterrichtet, so gut wie es damals ging, und dann alsbald am festgesetzten Tage der Totenopfer bei den Grabhügeln verwendet. So tröstete man sich über den Tod durch Morde. (4) Dies ist der Ursprung der Munera. Nach und nach jedoch nahmen diese an Beliebtheit in dem Grade zu, wie sie unmenschlicher wurden, indem nämlich die Bestien des Vergnügens nicht eher genug hatten, bis nicht auch Menschenleiber durch wilde Tiere zerrissen würden. Was also den Verstorbenen geopfert wurde, das sah man als einen Totendienst an. (5) Dies ist auch deswegen ein Götzendienst, weil der ganze Götzendienst nur eine Art von Totendienst ist. Sowohl der eine als der andere ist an verstorbene Personen gerichtet. In den Idolen der Verstorbenen aber sitzen die Dämonen."

ut et titulos considerem, licet transierit hoc genus editionis ab honoribus mortuorum ad honores viventium, quaesturas dico et magistratus et flaminia et sacerdotia, cum tamen nominis dignitas idololatriae crimine teneatur, necesse est quicquid dignitatis nomine administratur communicet etiam maculas eius, a qua habet causas. (6) idem de apparatibus interpretabimur in ipsorum honorum suggestu deputandis, quod purpurae, quod fasces, quod vittae, quod coronae, quod denique contiones et edicta et pultes pridianae sine pompa diaboli, sine invitatione daemonum non sunt. (7) quid ergo de horrendo loco perorem, quem nec periuria sustinent? pluribus enim et asperioribus nominibus amphitheatrum consecratur quam Capitolium: omnium daemonum templum est. tot illic immundi spiritus considunt, quot homines capit. ut et de artibus concludam, Martem et Dianam utriusque ludi praesides novimus.

„Um auch die Titel zu berücksichtigen, - obwohl diese Art Veranstaltungen von der Ehrerweisung gegen die Verstorbenen auf die Ehrenstellen der Lebendigen übertragen worden ist - zur Ehre, sage ich, der Quästoren, Magistrate, Flamines und Priester, - um also auch die Titel zu berücksichtigen, so muß, weil sogar auch die Würde des Namens in das Verbrechen der Idololatrie verstrickt ist, auch das, was unter dem Vorwand der Amtswürde geschieht, an den Makeln dessen teilnehmen, wodurch es verursacht ist. (6) Dasselbe werden wir auch über den Aufputz erklären, der ebenfalls als zu seinem Ehrengepränge gehörig angesehen wird, weil all diese Purpurgewänder, Fasces, Kopfbinden, Kränze, endlich auch die Reden, Edikte und heiligen Mahlzeiten nicht ohne Teufelspomp und Anrufung der Dämonen vor sich gehen. (7) Was soll ich mich also über die Abscheulichkeit des Ortes auslassen, den nicht einmal der Meineid ertragen kann? Denn zahlreicheren und schrecklicher klingenden Götternamen ist das Amphitheater geweiht wie das Kapitol; es ist ein Tempel sämtlicher Dämonen; es hausen darin so viel Teufel, als es Menschen faßt. Um mit den Künsten, die dabei vorkommen, zu schließen, so wissen wir ja, daß Mars und Diana die Vorsteher beider Arten von Spielen sind." (Öffnet externen Link in neuem FensterÜbers. nach Bibl. d. Kirchenväter)

Literatur: E. Castorina, Quinti Septimi Florentis Tertulliani: de spectaculis. Introduzione, testo critico, commento e traduzione (Florenz 1961); F. Unruh, Religion, Strafe und Rausch im Amphitheater, in: H.-P. Kuhnen (Hersg.), Morituri. Menschenopfer - Todgeweihte - Strafgerichte, Begleitbuch der Ausstellung 13. Mai-5. November 2000, Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 17  (Trier 2000) 74 f.; R. Lafer, Schauspiele und Schauspielebesuch bei Tertullian, Cyprian und Novatian im Vergleich, in: K. Strobel (Hrsg.), Die Geschichte der Antike aktuell: Methoden, Ergebnisse und Rezeption, Akten des 9. gesamtösterreichischen Althistorikertages 2002 und der V. Internationalen Table Ronde zur Geschichte der Alpen-Adria-Region in der Antike, Klagenfurt 14. 11-17. 11. 2002, Altertumswissenschaftliche Studien Klagenfurt, 2 (Klagenfurt 2005) 249-263.

Tertullian, de spectaculis XIX:

(1) exspectabimus nunc ut et amphitheatri repudium de scripturis petamus? si saevitiam, si impietatem, si feritatem permissam nobis contendere possumus, eamus in amphitheatrum. si tales sumus quales dicimur, delectemur sanguine humano. (2) "bonum est, cum puniuntur nocentes." quis hoc nisi nocens negabit? et tamen innocentes de supplicio alterius laetari non oportet, cum magis competat innocenti dolere, quod homo, par eius, tam nocens factus est, ut tam crudeliter impendatur. (3) quis autem mihi sponsor est, nocentes semper vel Öffnet internen Link im aktuellen Fensterad bestias vel ad quodcumque supplicium decerni, ut non innocentiae quoque inferatur aut ultione iudicantis aut infirmitate defensionis aut instantia quaestionis? quam melius ergo est nescire cum mali puniuntur, ne sciam et cum boni pereunt, si tamen bonum sapiunt. (4) certe quidem gladiatores innocentes in ludum veneunt, ut publicae voluptatis hostiae fiant. etiam qui damnantur in ludum, quale est ut de leviore delicto in homicidas emendatione proficiant? (5) sed haec ethnicis respondi. ceterum absit ut de istius spectaculi aversione diutius discat Christianus. quamquam nemo haec omnia plenius exprimere potest nisi qui adhuc spectat. malo non implere quam meminisse.

„(1) Erwarten wir nun eine Verwerfung auch des Amphitheaters von den heiligen Schriften? Wenn wir Grausamkeit, Ruchlosigkeit, tierische Wildheit als etwas Erlaubtes verstehen, dann lass' uns ins Amphitheater gehen! Wenn wir wirklich solche Leute wären, wie man von uns sagt, dann würden wir an Vergießung von Menschenblut unsere Freude haben. (2) «Es ist aber etwas Gutes, da es Verbrecher sind, die ihre Strafe finden.» Das wird allerdings nur jemand leugnen, der selbst ein Verbrecher ist, und trotzdem kann sich ein Unschuldiger unmöglich über die Hinrichtung eines Nebenmenschen freuen. Es würde dem Unbescholtenen besser anstehen, betrübt zu sein, weil ein Mitmensch, seinesgleichen, ein solcher Verbrecher geworden ist, daß er auf so grausame Weise verwendet wird. (3) Wer bürgt mir aber dafür, daß es immer nur Schuldige sind, die zu den wilden Tieren oder zu Todesstrafen irgendwelcher Art bestimmt werden, und daß dies nicht auch der Unschuld widerfährt, aus Rachsucht des Richters, durch Schwäche der Verteidigung oder wegen Heftigkeit der Folter? Es ist viel besser also, nicht darum zu wissen, wenn Schuldige bestraft werden, um nicht dabei zu sein, wenn auch Gute zugrunde gehen; wüßte man überhaupt nur, was gut ist! (4) Sicher ist wenigstens, daß Unschuldige als Gladiatoren zu den Spielen gemietet werden, um dem Amüsement des Publikums zum Opfer zu dienen. Was die betrifft, die zu den Spielen verurteilt werden, so ist es ganz unqualifizierbar, daß man sie anläßlich ihrer Bestrafung wegen eines geringern Vergehens nun gar noch zum Morde treibt. (5) Das wäre unsere Antwort für die Heiden. Im Übrigen aber verhüte Gott, daß ein Christ in betreff der Verabscheuungswürdigkeit der Schauspiele noch weiterer Belehrung bedürfe! Indessen, es vermag niemand alle diese Gründe vollständiger zum Ausdruck zu bringen, als wer noch den Zuschauer abgibt. Ich will aber lieber nicht ganz vollständig sein, als weiter an dergleichen Dinge denken."

Tertullian, de spetaculis XXII:

(1) quid mirum? inaequata ista hominum miscentium et commutantium statum boni et mali per inconstantiam sensus et iudicii varietatem. (2) etenim ipsi auctores et administratores spectaculorum, quadrigarios, scaenicos, xysticos, arenarios illos amatissimos, quibus viri animas, feminae autem illis etiam corpora sua substernunt, propter quos se in ea committunt quae reprehendunt, ex eadem arte, qua magnifaciunt, deponunt et deminuunt, immo manifeste damnant ignominia et capitis minutione, arcentes curia rostris senatu equite ceterisque honoribus omnibus simul et ornamentis quibusdam. (3) quanta perversitas! amant quos multant, depretiant quos probant, artem magnificant, artificem notant. (4) quale iudicium est, ut ob ea quis offuscetur, per quae promeretur? immo quanta confessio est malae rei! cuius auctores, cum acceptissimi sint, sine nota non sunt.

„Was Wunder? Im folgenden ist das Verhalten der Leute widersprüchlich, welche infolge von Unbeständigkeit des Sinnes und schwankendem Urteil Gute und Böse verwechseln und vertauschen: (2) Die Personen, die als Veranstalter und Darsteller der Schauspiele dienen, die so heißgeliebten Wagenlenker, Bühnenhelden, Boxer und Gladiatoren, welchen die Mannsleute ihre Seelen, die Weiber auch noch sogar ihre Leiber preisgeben, denen zu Liebe sie Dinge an ihren Leibern begehen, die sie sonst tadeln - die schätzt man gering, und setzt sie wegen derselben Kunst herab, weshalb man sie hochhält. Ja, man verdammt sie sogar zur Infamie und zum Nichtbesitz der bürgerlichen Rechte, und schließt sie von der Ratsversammlung, der Rednertribüne, dem Senat, dem Ritterstand, von sämtlichen Ehrenstellen und gewissen Auszeichnungen aus. (3) Was für eine Verkehrtheit! Man liebt die Leute, die sie erniedrigen, und würdigt diejenigen herab, denen sie Beifall spenden; den Künstler brandmarkt man, seine Kunstfertigkeit hält man hoch. (4) Welch wunderliches Urteil: Jemand kommt durch das in Verruf, worin sein Verdienst besteht! Oder richtiger, was liegt nicht für ein Zugeständnis der Verwerflichkeit dieser Dinge darin, daß deren Veranstalter, obwohl höchst beliebt, doch in Verruf sind."

Literatur: C. Edwards, Unspeakable Professions: Public Performance and Prostitution in Ancient Rome, in: J.P. Hallett - M.B. Skinner (Hrsg.), Roman Sexualities (Princeton 1997) 72.

Tertullian, de spectaculis XXV 4:

(1) an ille recogitabit eo tempore de deo positus illic ubi nihil est de deo? pacem, opinor, habebit in animo contendens pro auriga, pudicitiam ediscet attonitus in Öffnet externen Link in neuem Fenstermimos. (2) immo in omni spectaculo nullum magis scandalum occurret quam ille ipse mulierum et virorum accuratior cultus. ipsa consensio, ipsa in favoribus aut conspiratio aut dissensio inter se de commercio scintillas libidinum conflabellant. (3) nemo denique in spectaculo ineundo prius cogitat nisi videri et videre. sed tragoedo vociferante exclamationes ille alicuius prophetae retractabit et inter effeminati tibicinis modos psalmum secum comminiscetur, et cum athletae agent, ille dicturus est repercutiendum non esse. (4) poterit ergo et de misericordia moneri defixus in morsus ursorum et Öffnet internen Link im aktuellen Fensterspongias retiariorum. avertat deus a suis tantam voluptatis exitiosae cupiditatem! (5) quale est enim de ecclesia dei in diaboli ecclesiam tendere, de caelo, quod aiunt, in caenum? illas manus quas ad deum extuleris postmodum laudando histrionem fatigare? ex ore, quo Amen in Sanctum protuleris, gladiatori testimonium reddere, EIS AINÔNAS AP' AINÔNOS alii omnino dicere nisi deo et Christo?

„(1) Wird der, welcher sich da befindet, wo nichts ist, was Gott angehört, wohl während der Zeit an Gott denken? Vermutlich wird er, wenn er für den Wagenlenker Partei nimmt, in seiner Seele den Frieden bewahren; Keuschheit wird er lernen, wenn er von den Mimen gefesselt ist. (2) Richtiger gesagt, es wird uns bei jeder Art von Schauspiel kein größeres Ärgernis aufstoßen, als der sorgfältigere Putz der Männer und Weiber. Die Übereinstimmung, das Zusammenstimmen oder auch das Nichtübereinstimmen in den Gunstbezeigungen gegen die Spieler lockt durch den gegenseitigen Verkehr oft die Funken der bösen Lust hervor. (3) Auch denkt niemand, der die Schauspiele besucht, an etwas anderes als  gesehen zu werden und zu sehen. Aber, während der Tragöde hochtragisch deklamiert, dann werden einem wahrscheinlich die Ausrufungen irgend eines von den Propheten vorschweben? Während der weichlichen Melodien des Schauspielers wird man wohl an einen Psalm denken, und während die Athleten agieren, wird unser guter Freund den Ausspruch tun, man dürfe nicht wieder schlagen. (4) Er wird sich in der Lage befinden, sich vom Mitleid rühren zu lassen, während er unverwandt auf die Bisse der Bären und die zusammengerollten Netze der Öffnet internen Link im aktuellen FensterRetiarier blickt.  (5) Möge Gott die Begierde nach einem so verderblichen Vergnügen von den Seinigen fernhalten! Wie soll ich es nennen, wenn man aus der Gemeinde Gottes zur Gemeinde des Teufels eilt? Aus dem Himmel in einen Haufen Unrat? Wenn man dieselben Hände, die man zu Gott erhebt, nachher zum Lobe des Schauspielers abmüht? Wenn man mit demselben Munde, womit man das Amen gegen das Allerheiligste spricht, über den Gladiator ein Urteil abgibt und einem andern als Gott und Christus allein "unsterblichen Ruhm" zuruft?"

Literatur: L. Robert, Spongiae retiariorum. Sur un passage de Tertullien, Hellenica VIII 1959, 151-162.

Tertullian, de spectaculis XXX:

(4) ... sapientes illos philosophos coram discipulis suis una conflagrantibus erubescentes, quibus nihil ad deum pertinere suadebant, quibus animas aut nullas aut non in pristina corpora redituras adfirmabant? etiam poetas non ad Rhadamanthi nec ad Minonis, sed ad inopinati Christi tribunal palpitantes? (5) tunc magis tragoedi audiendi, magis scilicet vocales in sua propria calamitate; tunc histriones cognoscendi, solutiores multo per ignem; tunc spectandus auriga in flammea rota totus ruber; tunc xystici contemplandi, non in gymnasiis, sed in igne iaculati, nisi quod ne tunc quidem illos velim visos, ut qui malim ad eos potius conspectum insatiabilem conferre, qui in dominum desaevierunt. (6) hic est ille, dicam, fabri aut quaestuariae filius, sabbati destructor, Samarites et daemonium habens; hic est quem a Iuda redemistis, hic est ille harundine et colaphis diverberatus, sputamentis dedecoratus, felle et aceto potatus; hic est, quem clam discentes subripuerunt, ut surrexisse dicatur, vel hortulanus detraxit, ne lactucae suae frequentia commeantium adlaederentur. (7) ut talia spectes, ut talibus exultes, quis tibi Öffnet externen Link in neuem Fensterpraetor aut consul aut quaestor aut sacerdos de sua liberalitate praestabit? et tamen haec iam quodammodo habemus per fidem spiritu imaginante repraesentata. ceterum qualia illa sunt, quae nec oculus vidit nec auris audivit nec in cor hominis ascenderunt? credo, circo et utraque cavea et omni stadio gratiora.

„(4) ...  wenn sie mitsamt ihren Schülern und von ihnen beschämt im Feuer brennen, und die Poeten nicht vor dem Richterstuhl des Rhadamantus oder Minos, sondern wider Erwarten vor dem Richterstuhl Christi stehen und zittern! (5) Dann verdienen die Tragöden aufmerksameres Gehör, da sie nämlich ärger schreien werden in ihrem eigenen Mißgeschick; dann muß man sich die Schauspieler anschauen, wie sie noch weichlicher und lockerer durch das Feuer geworden sind; dann muß man sich den Wagenlenker ansehen, wie er auf flammendem Rade erglüht; dann die Athleten betrachten, wie sie nicht wie in der Ringschule (mit Sand), sondern mit Feuer beworfen werden. Nur möchte ich dann weniger die Genannten sehen als vorziehen, meinen unersättlichen Blick auf jene zu richten, die gegen die Person des Herrn selbst gefrevelt haben. (6) Hier ist, würde ich ihnen dann sagen, der Sohn des Zimmermanns und der Dirne, der Sabbatschänder, der Samariter, der Mensch, der den Teufel haben soll. Das ist er, den ihr dem Judas abgekauft habt, das ist er, den ihr mit dem Rohre und mit Ohrfeigen mißhandelt, durch Anspeien besudelt, mit Galle und Essig getränkt habt. Das ist der, den die Schüler heimlich entwendet haben, um nachher sagen zu können, er sei auferstanden, den der Gärtner beiseite geschafft hat, damit nicht durch die Menge der Besucher sein Salat beschädigt würde. (7) Solches zu schauen und darüber zu frohlocken, das kann dir kein Öffnet externen Link in neuem FensterPrätor, kein Konsul, kein Quästor oder Priester mit all seiner Freigebigkeit gewähren. Und doch haben wir diese Dinge durch den Glauben im Geiste und in der Vorstellung bereits gewissermaßen gegenwärtig. Wie aber mag vollends das beschaffen sein, was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört hat, und was in keines Menschen Herz gekommen ist! Ich denke denn doch, lieblicher als der Zirkus, beide Arten des Theaters und die Rennbahn."

Literatur: D.L. Bomgardner, AJA 93, 1989, 86.

In Tertullians Verteidigungsschrift des Christentums gegen das Heidentum, dem apologeticum, finden sich zahlreiche Stellen zur Aufführungspraxis im römischen Theater und Amphitheater:

Tertullian, apologeticum XV:

(1) Cetera lasciviae ingenia etiam voluptatibus vestris per deorum dedecus operantur. Dispicite Lentulorum et Hostiliorum venustates, utrum mimos an deos vestros in iocis et strophis rideatis: "moechum Anubin" et "masculum Lunam" et "Dianam flagellatam" et "Iovis mortui testamentum recitatum" et "tres Hercules famelicos irrisos". (2) Sed et histrionum litterae omnem foeditatem eorum designant. Luget Sol filium de caelo iactatum laetantibus vobis, et Cybele pastorum suspirat fastidiosum non erubescentibus vobis, et sustinetis Iovis elogia cantari, et Iunonem Venerem Minervam a pastore iudicari. (3) Ipsum quod imago dei vestri ignominiosum caput et famosum vestit, quod corpus impurum et ad istam artem effeminatione productum Minervam aliquam vel Herculem repraesentat, nonne violatur maiestas et divinitas constupratur laudantibus vobis? (4) Plane religiosiores estis in cavea, ubi super sanguinem humanum, super inquinamenta poenarum proinde saltant dei vestri, argumenta et historias noxiis ministrantes, nisi quod et ipsos deos vestros saepe noxii induunt. (5) Vidimus aliquando castratum Attin, illum deum ex Pessinunta, et qui vivus ardebat, Herculem induerat. Risimus et inter ludicras meridianorum crudelitates Mercurium mortuos cauterio examinantem; vidimus et Iovis fratrem gladiatorum cadavera cum malleo deducentem. (6) Singula ista quaeque adhuc investigare quis posset, si honorem inquietant divinitatis, si maiestatis vestigia obsoletant, de contemptu utique censentur tam eorum, qui eiusmodi factitant, quam eorum, quibus factitant. (7) Sed ludicra ista sint! Ceterum si adiciam, quae non minus conscientiae omnium recognoscent, in templis adulteria componi, inter aras lenocinia tractari, in ipsis plerumque aedituorum et sacerdotum tabernaculis, sub isdem vittis et apicibus et purpuris thure flagrante libidinem expungi, nescio, ne plus de vobis dei vestri quam de Christianis querantur. Certe sacrilegi de vestris semper apprehenduntur; Christiani enim templa nec interdiu norunt; spoliarent forsitan ea et ipsi, si et ipsi ea adorarent. (8) Quid ergo colunt qui talia non colunt? Iam quidem intellegi subiacet veritatis esse cultores qui mendacii non sint, nec errare amplius in eo, in quo errasse se recognoscendo cessaverunt. Hoc prius capite et omnem hinc sacramenti nostri ordinem haurite, repercussis ante tamen opinionibus falsis.

„(1) Andere laszive Künste bedienen sich sogar der Schandtaten der Götter, um euch Vergnügen zu bereiten. Seht nur die anmutigen Sachen der Lentulier und Hostilier an, ob ihr bei ihren Späßen und Schwanken mehr über die Possenreißer oder über eure Götter lacht: über den Anubis als Ehebrecher, Luna als Mann, die gepeitschte Diana, die Eröffnung des Testaments des verstorbenen Jupiter und die drei gefoppten, hungrigen Herkules? (2) Auch die Pantomimentexte machen alle Schändlichkeiten der Götter kund. Öffnet internen Link im aktuellen FensterSol betrauert den Sturz seines Sohnes vom Himmel, und ihr amüsiert euch dabei; Cybele schmachtet nach dem blasierten Schäfer, ohne dass ihr dabei errötet; ihr haltet es aus, dass man die Sündenregister des Jupiter absingt und Juno, Venus und Minerva von einem Hirten ihr Urteil empfangen. (3) Wenn selbst ein Bild eures Gottes ein schmachvolles und verrufenes Haupt umkleidet, wenn ein geiler und für diese Kunst weibisch gemachter Körper bald eine Minerva, bald einen Herkules vorstellt, wird da nicht die göttliche Majestät verletzt und die Gottheit geschändet unter euren Beifallsrufen?! (4) Noch religiöser fürwahr betragt ihr euch im Zuschauerrund, wo über Menschenblut, über dem von Vollziehung von Leibesstrafen herrührenden Unflat eure Götter Tänze aufführen, indem sie Verbrechern Gegenstand und Vorwurf bieten; freilich werden auch die Rollen eurer Götter öfters durch Verbrecher gegeben. (5) Es gab einmal eine Zeit, wo wir zugesehen haben, wie Öffnet internen Link im aktuellen FensterAttis, jener euer Gott aus Öffnet externen Link in neuem FensterPessinus, kastriert wurde, und wie einer, welcher lebendig verbrannt wurde, den Herkules spielte. Wir haben dazu gelacht, wenn zwischen den spaßhaften Grausamkeiten zur Mittagszeit Merkur die Toten mit dem Brenneisen untersuchte; wir haben gesehen, wie der Bruder des Jupiter mit seinem Hammer die Leichname der Gladiatoren wegbrachte. (6) Wenn diese Dinge und was man noch dazu ausfindig machen konnte, die Ehre der Gottheiten in Verruf bringen, wenn sie ihre erhabene Majestät in den Schmutz ziehen, so sind verächtlich jedenfalls sowohl die, welche dergleichen ausüben, als auch die, gegen welche es ausgeübt wird. (7) Das mag indessen als bloße Kurzweil noch passieren. Wenn ich aber weiter hinzufüge, was nicht weniger Wissen und Gewissen eines jeden als wahr anerkennen dürfte, daß in den Tempeln Ehebrüche verabredet, zwischen den Altären Kuppeleien verhandelt, ja unter den Zelten der Tempelhüter und Priester selbst, mit eben denselben gottesdienstlichen Kopfbinden, Hüten und Purpurgewändern, bei brennendem Weihrauch die Wollust befriedigt wird, so weiß ich nicht, ob sich eure Götter nicht über euch mehr als über die Christen beschweren. Ohne allen Zweifel sind die Tempelräuber, die ergriffen werden, jederzeit Leute aus eurer Zahl. Denn die Christen sind in den Tempeln nicht einmal bei Tage kundig. Sie würden sie aber vielleicht auch berauben, wenn sie Verehrer derselben wären. (8) Was ist es nun also wohl, was die verehren, welche solche Dinge nicht verehren? Unstreitig ist nunmehr die Erkenntnis nahegelegt, daß diejenigen, welche keine Anhänger der Lüge sind, Anhänger der Wahrheit sein müssen, und daß sie in dem nicht länger mehr irren, worin geirrt zu haben sie erkannten und wovon sie zurückgetreten sind. Dies begreifet zuerst, sodann vernehmet unsere heilige Lehre nach ihrem ganzen Zusammenhang, nachdem vorher erst noch die falschen Ansichten darüber zurückgewiesen sind!“

Tertullian, apologeticum 42 (Öffnet externen Link in neuem Fensterlat. Text):

(5) ... Non in publico Liberalibus discumbo, quod Öffnet internen Link im aktuellen Fensterbestiariis supremam cenantibus mos est; attamen ubi, de copiis tuis ceno. (6) Non emo capiti coronam; quid tua interest, emptis nihilominus floribus quomodo utar? Puto gratius esse liberis et solutis et undique vagis; sed et si in coronam coactis, nos coronam naribus novimus; viderint qui per capillum odorantur! (7) Spectaculis non convenimus; quae tamen apud illos coetus venditantur si desideravero, liberius de propriis locis sumam. Tura plane non emimus; si Arabiae queruntur, sciant Sabaei plures et cariores suas merces Christianis sepeliendis profligari quam deis fumigandis.

„ (5) ... Am Bacchusfeste liege ich nicht öffentlich zu Tisch, wie die Tierkämpfer bei ihrer Henkersmahlzeit zu tun pflegen, jedoch wo auch immer, ich speise von deinen Vorräten. (6) Ich kaufe mir keinen Blumenkranz für mein Haupt. Was kann dir daran liegen, wie ich meine Blumen, die ich nichtsdestoweniger kaufe, verwende? Ich glaube, es ist angenehmer, sich nicht gebundener, loser und von allen Seiten frei herabhängender Blumen zu bedienen. Aber auch dann, wenn sie zu einem Kranz gebunden sind, nehmen wir den Kranz mit der Nase wahr; mögen andere meinetwegen mit den Haaren riechen. (7) Zu den Schauspielen finden wir uns nicht ein; die Gegenstände aber, welche bei jenem Zusammenfluß von Menschen feilgehalten werden, werde ich, wenn ich sie begehre, ungenierter ihren eigentlichen Kaufplätzen entnehmen. Weihrauchkörner kaufen wir allerdings gar nicht. Wenn sich aber Arabien über uns beklagen sollte, so mögen die Sabäer wissen, daß eine größere Menge und bessere Sorte ihrer Ware beim Begräbnis von Christen sozusagen verschwendet wird, als die ist, womit man die Götter beräuchert." (Öffnet externen Link in neuem FensterÜbers. Bibl. d. Kirchenväter)

Tertullian, apologeticum 44 (Öffnet externen Link in neuem Fensterlat. Text):

... (3) De vestris semper aestuat carcer, de vestris semper metalla suspirant, de vestris semper bestiae saginantur, de vestris semper munerarii noxiorum greges pascunt. Nemo illic Christianus, nisi plane tantum Christianus; aut, si et aliud, iam non Christianus.

„ ... (3) Mit Leuten aus eurer Mitte sind stets die Gefängnisse überfüllt, von dem Ächzen der eurigen hallen stets die Bergwerke wieder, mit Leuten aus eurer Mitte werden auch die wilden Tiere gemästet, aus eurer Mitte stammen die Verbrecher, welche die Veranstalter von Gladiatorenspielen wie Herdenvieh mästen." (Öffnet externen Link in neuem FensterÜbers. Bibl. d. Kirchenväter)

Tertullian, ad martyres I 2:

Nec tantus ego sum, ut vos alloquar; verumtamen et gladiatores perfectissimos non tantum magistri et praepositi sui, sed etiam idiotae et supervacui quique adhortantur de longinquo, ut saepe de ipso populo dictata suggesta profuerint.

„Ich bin zwar nicht der Mann, der Euch einen Zuspruch zu geben imstande wäre. Indessen auch die geübtesten Fechter erhalten nicht etwa bloß von ihren Fechtmeistern und Vorgesetzten Ermunterungen, sondern sogar von Laien in dieser Kunst und Müßiggängern jeder Art, so daß ihnen oft die aus der Volksmenge von weitem an sie gerichteten Zurufe nützlich werden." (Öffnet externen Link in neuem FensterÜbers. Bibl. d. Kirchenväter)

Tertullian, ad martyres V 1:

Omitto nunc gloriae causam. Eadem omnia saevitiae et cruciatus certamina iam apud homines affectatio quoque et morbus quidam animi conculcavit. Quot otiosos affectatio armorum ad gladium locat? Certe ad feras ipsas affectatione descendunt et de morsibus et de cicatricibus formosiores sibi videntur. Iam et ad ignes quidam se auctoraverunt, ut certum spatium in tunica ardente conficerent. Alii inter venatorum taureas scapulis patientissimis inambulaverunt.

„Ich verlasse nun das Kapitel Ruhm. Den Kampf gegen eben diese und alle solche Grausamkeiten und Martern hat unter gewöhnlichen Menschen längst schon selbst die Affektiertheit und ein gewisser krankhafter Zustand des Geistes als etwas Geringes verachtet. Wie viele Müßiggänger hat nicht die Passion für Waffen dahin gebracht, das Schwert zu ergreifen! Leute steigen aus Blasiertheit selbst zu den wilden Tieren hinab und kommen sich mit Bißwunden und Narben schöner vor. Sogar was das Feuer angeht, haben sich einige gegen ein Handgeld dazu vermietet, eine gewisse Strecke in brennender Tunika zurückzulegen. Andere sind, ihre Schultern ganz geduldig preisgebend, zwischen den geschwungenen Ochsenziemern der Tierkämpfer umhergewandelt." (Öffnet externen Link in neuem FensterÜbers. Bibl. d. Kirchenväter

Literatur

E. Nöldechen, Tertullian und das Theater, Zeitschrift für Kirchengeschichte 15, 1895, 166-203; T.D. Barnes, Tertullian's Scorpiace, Journal of Theological Studies 19, 1968, 509-31; R.D. Sider, Ancient Rhetoric and Art in Tertullian (Oxford 1971); T.D. Barnes, Tertullian: A Historical and Literary Study (Oxford 1971); G.L. Bray, Holiness and the Will of God: Perspectives on the Theology of Tertullian (1980); R.D. Sider, Approaches to Tertullian: A Study of Recent Scholarship, Second Century 2, 1982, 228-260.; T.D.  Barnes, Tertullian the Antiquarian, Early Christianity and the Roman Empire (London 1984); G.L. Bray, The Relationship Between Holiness and Chastity in Tertullian, in: E.A. Livingstone (Hrsg.), Studia Patristica XVI. Texte und Untersuchungen, 129 (Berlin 1985) 132-5.; F. Cardman, Tertullian on Doctrine and the Development of Discipline, ebda. 136-42; Ch.F. Forrester, Sex and Salvation in Tertullian, Harvard Theological Review 68, 1975, 83-101; E. Osborn, Tertullian, the first Theologian of the West (Cambridge 2002); G.D. Dunn, Tertullian (London 2005); L. Lugaresi, Tertulliano e la fondazione del discorso cristiano sugli spettacoli, Rivista di Storia del Cristianesimo 2, 2005, 357-407 (Öffnet externen Link in neuem Fensteracademia.edu)

weblinks:

Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://de.wikipedia.org/wiki/Tertullian