bestiarius, ϑηριομάχης

Tierkämpfer in der Arena, ähnlich gebraucht wie venator: Letztere scheinen aber die eigentlichen Jäger gewesen zu sein, während die bestiarii eher zur Betreuung und Aufstachelung der Tiere bei und in der Arena zuständig waren.

Quellen

Cicero, pro Sestio LXIV (134). 
Martial, liber de spectaculis 15:

Das Epigramm vergleicht den berühmten Tierkämpfer Corpophorus mit dem mythischen Jäger Öffnet externen Link in neuem FensterMeleager.

Lit.: K.M. Coleman (Hrsg.), M. Valerii Martialis liber spectaculorum, edited with introduction, translation and commentary (Oxford 2006) 140-147.

Martial, liber de spectaculis 27:

Das Epigramm rühmt die Tierkämpfe des Carpophorus und stellt sie über die berühmtesten mythischen Vorbilder.

Saecula Carpophorum, Caesar, si prisca tulissent,
favisset nullas barbara terra feras,
non Marathon taurum, Nemee frondosa leonem,
Arcas Maenalium non timuisset aprum.
Hoc armante manus hydrae mors una fuisset,
huic percussa foret tota Chimaera semel.
Igniferos possit sine Colchide iungere tauros,
possit utramque feram vincere Pasiphaes.
si vetus aequorei revocetur fabula monstri.
Hesionen solvet solus et Andromedan.
Herculeae laudis numeretur gloria: plus est
bis denas pariter perdomuisse feras.

Hätten die mythischen Zeiten, Cäsar, den Carpophorus geboren
kein Barbarenland hätte dann wilde Tiere ernährt,
nicht hätte Marathon den Stier, das reichbelaubte Nemea den Löwen,
nicht hätten die Arkadier den Mänalischen Eber fürchten müssen.
Hätte er seine Arme bewaffnet, hätte es einen einzigen Tod für die Hydra gegeben,
und die Chimäre wäre ganz auf einmal von ihm erledigt worden.
Er könnte feuerspeiende Stiere ohne die Kolchierin anschirren,
er könnte Pasiphaës doppelgestaltiges Tier besiegen.
Und sollte die alte Sage von dem Meerungeheuer wiederkehren,
würde er ganz allein Hesione erlösen und Andromeda dazu.
Man mag auch die berühmten Taten des Hercules aufzählen: Mehr ist es,
zweimal zehn Bestien auf einmal bezwungen zu haben. (Übers. P. Barié)

Lit.: K.M. Coleman (Hrsg.), M. Valerii Martialis liber spectaculorum, edited with introduction, translation and commentary (Oxford 2006) 235-243.

Mosaik mit Darstellung eines Tigers zwischen einem bestirarius und einer gladiatrix, Rom, Thermenmuseum (Photo: Michael J. Davies).

Darstellungen

Rom, Mosaik; FO: Castro Pretorio; AO: Rom, Thermenmuseum:

Inschrift: CIL VI 33990; AE 1939, 131 (Öffnet externen Link in neuem FensterEDH; Öffnet externen Link in neuem FensterEDR):

Ex vicen(nalibus) f(ecit?, oder: eliciter?) L(ucius) Vett(ius?) v(icit)

Das Schwarz-Weiß-Mosaik zeigt einen Tiger zwischen einem bestiarius und einer Öffnet internen Link im aktuellen FensterGladiatorin. Die Inschrift wurde versuchsweise auf die Vicennalia des Jahre 158 n. Chr. bezogen.

Literatur: Öffnet externen Link in neuem FensterJ. Aymard, Les Vicennalia d'Antonin sur une mosaïque du Musée des Thermes, MEFR 55, 1938, 42-55; P. Sabbatini Tumolesi, Epigrafia anfiteatrale dell’Occidente Romano I. Roma, Vetera. Ricerche di storia epigrafia e antichità, 2 (Rom 1988) 87 f. Nr. 103.
Bild: Öffnet externen Link in neuem Fenstercreative commons

weblink:

Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.flickr.com/photos/40060535@N05/galleries/72157625000148141

Apri, Umzeichnung des Gladiatorenreliefs, Istanbul, archäologisches Museum (Bild: Mendel).
Apri, Detail des Gladiatorenreliefs (Photo: © D. Osseman).
Apri, Detail des Gladiatorenreliefs (Photo: © D. Osseman).
Apri, Relief; AO: Istanbul, archäologisches Museum inv. 1219:

Als Fundort wird das Dorf Guermian angegeben, was dem antiken Aproi (Apri) bzw. der Colonia Claudia Aprensis entspricht.

Das in 4 Teile zerbrochene Relief stellt in 2 übereinander liegenden Friesen Kämpfe von bestiarii gegen wilde Tiere und die Hinrichtung von Öffnet internen Link im aktuellen Fensterad bestias Verurteilten dar.

Oben: Man sieht von links nach rechts einen bestiarius mit Peitsche nach links von einem Bären verfolgt; einen Bären, der einen Gladiator in die Luft geworfen hat; ein auf einem Buckelstier reitenden Stierkämpfer einer sog Öffnet internen Link im aktuellen FensterTaurokathapsia, bei der riskanten Aktion ist scheinbar der rechts in der Luft schwebenden Mann in einem Kapuzenmantel in die Höhe geworfen worden; ein sich aufrichtender Bär im Kampf gegen einen unbewaffneten und nur leicht Bekleideten; ein bestiarius stachelt mit der Peitsche in der Rechten einen wiederum nur leicht bekleideten Mann an, der von hinten einen Bären umklammert hält.
Unten: Ein Stier greift nach links einen bestiarius an; ein Mann hält einen ad bestias Verurteilten hinten fest und dieser wird von einem an seinen Hals durch die Luft springenden Panther attackiert, wobei dieser gleichzeitig einen Satz über einen unter ihm gebeugten Mann macht; nach einem Bruch folgt ein bestiarius, der mit der Lanze einen angreifenden Löwen abwehrt, dahinter ein ruhig stehender dick bekleideter Mann; ganz rechts wieder ein Peitsche schwingender bestiarius.

Ähnliche Darstellungen aus Öffnet internen Link im aktuellen FensterNysa (Mus. Aydin), Sardes, Kibyra, Ephesos, Laodikeia am Lykos.

Lit.: G. Mendel, Catague des sculptures grecques, romains et byzantines, III (Istanbul 1914) 293-296 Nr. 1066 (Öffnet externen Link in neuem Fensterhistara); L. Robert, Les gladiateurs dans l'Orient grecque (Paris 1940) 90-92 Nr. 27 Taf. XXIV; J.M. Blázquez, Pavimentos africanos cob espectaculos de toros. Estudio comparativo a propósito des mosaico de Silin (Tripolitania), Antiquités Africaines 26, 1990, 163-164 Abb. 10.

Bilder: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.pbase.com/dosseman/image/148188031; Öffnet externen Link in neuem Fenster148188032; Öffnet externen Link in neuem Fenster148188033.

Mosaik aus Khanguet el-Hadjaj mit Darstellung eines bestiarius in der Arena (nach Inv. mos. 463).
Khanguet el-Hadjaj; Mosaik:

Inschrift ILAfr 326:

Lampadi-
us

Der Jäger namens Lampadius hat ein Lasso in der Hand und befindet sich in einer Arena mit wilden Tieren. Hinter ihm steht in einer geöffneten Tür ein weiterer Mann. Ähnlich wie bei einem Mosaik aus Öffnet internen Link im aktuellen FensterThelepte handelt es sich bei der Tür um einen Zugang in die Arena. Deutlicher macht dies etwa das Elfenbeindiptychon des Öffnet internen Link im aktuellen FensterAreobindus im Nationalmuseum Zürich.

In der älteren Forschung wurde die Szene für eine Jagd in einem saltus, d.h. in einer großen Domäne gehalten.

Literatur: Öffnet externen Link in neuem FensterA. Merlin, Bulletin archéologique du Comité des travaux historiques et scientifiques 1912, CLXXXI Öffnet externen Link in neuem FensterTaf. 79; G. Lafaye, Bulletin archéologique du Comité des travaux historiques et scientifiques 1915, 124 ff. (??); P. Gauckler, Inventaire des mosaïques de la Gaule et de l’Afrique romaine, II Afrique proconsulaire, Tunesie (Paris 1910) 463; J. Aymard, Essai sur les chasses romaines des origines à la fin du siècle des Antonins, Bibl. des Écoles Française d’Athènes et de Rome 171 (Paris 1951) 191; I. Lavin, Antioch Hunting Mosaics and their Sources, Dumbarton Oaks Papers 17, 1963, Abb. 99 (Öffnet externen Link in neuem FensterJSTOR).

Bad Neuenahr-Ahrweiler, Villa "Am Silberberg", Wandmalereifragment mit Darstellung eines Jägers oder bestiarius (Photo: R. Gogräfe).
Bad Neuenahr-Ahrweiler, Wandmalerei aus der Porticus Raum 38:

Das Fragment wurde in der Porticus der Villa gefunden und gehörte vermutlich auch ursprünglich zu deren malerischer Dekoration. Der weitere dekorative Kontext ist unbekannt. Die Darstellung ist von weit unterlebensgroßem Maßstab und könnte von daher zu einem Bild einer Sockelzone wie in Öffnet internen Link im aktuellen FensterRaum 6 der gleichen Villa oder in Mechern gehört haben. 
Dargestellt ist ein ins Knie gegangener Jäger von schräg rechts hinten; er streckt seine Re leicht angewinkelt nach vorne und hält ein Lasso in der Hand. Über seiner Schulter scheint der Ansatz seines Halses und seines Kopfes sichtbar zu sein. Am oberen Rand sieht man in feinen weißen Strichen den Schweif oder das Fell eines Tieres.

Lit.: R. Gogräfe, Wand- und Deckenmalereien der villa rustica „Am Silberberg" in Bad Neuenahr-Ahrweiler, Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel, 4 = Trierer Zeitschrift Beiheft, 20 (Trier 1995) 211-217 Abb. 69-70; ders., Die römischen Wand- und Deckenmalereien im nördlichen Obergermanien, Archäologische Forschungen in der Pfalz, 2 (Neustadt a.d.W. 1999) 141 Abb. 101.

Postament mit Relief, Aphrodisias; FO: nw Stadtgebiet; AO: Aphrodisias, Museum (Öffnet externen Link in neuem FensterPHI):

Inschrift:

-]ΠΗΣ

Eupre]pes (?)

Der Name auf der Vorderseite des Postaments über dem Relief wird am ehesten zu dem gebräuchlichen Gladiatorennahmen Euprepes zu ergänzen sein. Im stark bestoßenen Relief ist rechts ein nach links gewendeter Gladiator erkennbar, der gegen ein sich aufbäumendes Tier (Bär?) kämpft. Die ehemals bearbeitete, jetzt aber weitgehend zerstörte Fläche über dem Kopf des Gladiators könnte mit Roueché ein Netz gewesen sein.

Lit.: Ch. Roueché, Performers and partisans at Aphrodisias in the Roman and late Roman periods, Journal of Roman Studies Monographs, 6 (London 1993) 71 Nr. 37 Taf. X.

 

Innenbild einer calenischen Schale

Literatur: Öffnet externen Link in neuem FensterR. Pagenstecher, Calena, Jahrb. DAI 27, 1912, 170 f. Abb. 23.

Inschriften

Grabinschrift aus Ambarria-Vieu, CIL XIII 2548:

D(is) M(anibus) et misera
mort{a}e pere-
gr{a}e interc(e)-
pto Ruffio Ru-
ffiano anno-
rum XX vest-
iario pe[r]er-
udito R[uf]fi-
us Ruffinus
filio cari(ssimo) p(onendum) c(uravit)

„Den Totengeistern und dem Ruffius Ruffianus, dem mit 20 Jahren durch einen jämmerlichen Tod in der Fremde Entrissenen, einem hervorragenden bestiarius, errichtete Ruffius Rufinus den Grabstein.”

Lit.: H. Geist, Römische Grabinschriften. Gesammelt und ins Deutsche übertragen von Hieronymus Geist, betreut von Gerhard Pfohl (München 1969) 129 Nr. 338; C. Vismara - M.L. Caldelli, Maria Letizia, Epigrafia anfiteatrale dell’Occidente Romano. V, Alpes Maritimae, Gallia Narbonensis, Tres Galliae, Germaniae, Britannia, Vetera. Ricerche di storia epigrafia e antichità, 14 (Rom 2000) 21.