Rom, amphitheatrum castrense

Rom, amphitheatrum castrense, Stich von Piranesi.
Rom, amphitheatrum castrense.
Rom, amphitheatrum castrense (Bild: wikimedia).
Rom, amphitheatrum castrense (Bild: wikimedia)

Quellen

Notitia Regionum Urbis Romae XIV, Regio V Esquiliae

weblink: Öffnet externen Link in neuem FensterLacus Curtius.

Pausanias V 12,6:

„Von den Bauten, die er (d.h. Trajan) hat herstellen lassen, sind das bemerkenswerteste die nach ihm benannten Bäder und ein großes ringsum rundes Theater und ein Gebäude für Pferderennen volle zwei Stadien lang und das römische Forum, das wegen seiner sonstigen Ausstattung sehenswert ist und besonders wegen des Bronzedaches." (Übers. E. Meyer)

Prokop, bell. goth. I 22-23:

„Am 18. Tag der Belagerung gegen Sonnenaufgang schritten die Goten, von Öffnet externen Link in neuem FensterWitigis geführt, zum Sturm, und der ungewohnte Anblick der Türme und Widder, die sich vorwärts bewegten, erfüllte die Römer mit Entsetzen. ... Dies geschah beim Tor des Öffnet externen Link in neuem FensterBelisarius. ... So ging er (Witigis) mit zahlreichem Volk in der Gegend des Öffnet externen Link in neuem FensterPränestinischen Tores zum Angriff gegen einen Teil der Mauer, den die Römer vivarium nennen, wo die Mauer eine sehr schwache Stelle hatte. ... (23) ... Als aber Bassus und Peranius am vivarium von Witigis heftig angegriffen wurden, baten sie Belisarius um Unterstützung. ... Die alten Römer hatten außerhalb noch eine kleine Mauer angelegt, nicht zum Schutz ..., sondern für ein nicht sehr edles Vergnügen, nämlich um Löwen und andere wilde Tiere darin aufzubewahren. Deshalb heißt dieser Ort auch vivarium: So nennen nämlich die Römer einen Platz, an dem wilde Tiere gehalten werden. ..." (Übers. nach D. Coste)

Maße

Außen: 88 x 75,8 m
Innen: -

Beschreibung

Das Amphitheatrum Castrense verdankt seine Bezeichnung einer Erwähnung im Katalog der Regionen für die regio V, die seit langem auf diesen Bau bezogen wird; ältere Identifizierungen mit dem Amphitheater des Öffnet internen Link im aktuellen FensterStatilius Taurus sind falsch.  Auch der Bezug des Wortes 'castrense' auf die castra praetoria, das Lager der Prätorianer, gilt heute als überholt: Vielmehr ist es im Sinne von 'Hoflager' zu verstehen und findet seine Begründung im nahe gelegenen sog. Öffnet externen Link in neuem FensterSessorium, einem Kaiserpalast. Der enge Bezug zu diesem läßt vermuten, dass es sich bei diesem Amphitheater um eine privates kaiserliches Amphitheater handelte. Ganz in der Nähe zur Porta Praenestina hin sind Mauerzüge des bei Prokop erwähnten vivariums identifiziert worden und hier lag auch der Öffnet externen Link in neuem FensterCircus Varianus.

Das aus Ziegeln errichtete Amphitheater wird nach seiner Bautechnik zwischen die Zeit von Kaiser Septimius Severus und Kaiser Elagabal datiert. Mit ausschlaggebend hierfür ist das Fehlen der sonst so verbreiteten Ziegelstempel, ein Charakteristikum, welches eine Datierung nicht vor dem späten 2. Jh. angeraten erscheinen läßt. Somit kann die in der älteren Forschung vertretene Ansicht, das bei Pausanias V 12,6 erwähnte Amphitheater des Kaisers Trajan beziehe sich diesen Bau, nicht aufrecht erhalten werden. Dieses Amphitheater ist woanders zu suchen.

Die Anlage gehörte zum sog. Palatium Sessorianum und wurde zu einem späteren Zeitpunkt (270-275 n.Chr.) in die Öffnet externen Link in neuem FensterAurelianische Stadtmauer von Rom intergriert. In der Folge sprang ein Teil des amphitheatralischen Rundes bastionsartig vor die Linie der Stadtmauer und die ehemals offenen Eingänge in die Räume unter der cavea wurden vermauert. Noch später wurde der Bezirk  im zwischen 326 und 330 von Kaiser Konstantin seiner Frau Helena zuliebe gegründeten Kirche von Santa Croce in Gerusalemme verbaut, wo eine Reliquie des Heiligen Kreuzes aufbewahrt wurde.

Ansichten des 16. Jhs. geben noch die bis zu ihrer ursprünglichen Höhe erhaltene Außenfassade wieder: Diese war eine Blendarchitektur aus offenen Arkaden zwischen korinthischen Wandpilastern in allen drei Etagen. Dabei sind die Öffnungen in der dritten Etage eher als Fenster zu bezeichnen. Hierüber folgte eine Attikazone. Heute sind nurmehr geringe Teile der 2. Etage erhalten.

Hinter der Außenmauer verlief ein äußerer Umgang, von dem aus man zwischen den üblichen Radialmauern die Treppenaufgänge zu den oberen Etagen und die Durchgänge bis zum überdeckten Brüstungsgang hinter der Podiumsmauer erreichen konnte.

wikimedia-Bilder: Öffnet externen Link in neuem Fenstercommons.wikimedia.org/wiki/Anfiteatro_Castrense=de

Literatur

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Öffnet externen Link in neuem FensterL. Canina, Gli edifizj di Roma antica cogniti per alcune reliquie, IV. Tavole, Teatri anfiteatri circhi terme ... descritti nel volume III (Rom 1851) Taf. 178-Öffnet externen Link in neuem Fenster179.

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weblinks:

Öffnet externen Link in neuem Fensterwikipedia

Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.scudit.net/mdlaterano_sessorium.htm

Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.maquettes-historiques.net/Seite11d.html