Virunum, Amphitheater (Photo: J. Jaritz).

Inschriften

Bauinschrift des Duumvirn Sext. Sabineius Maximus; Öffnet externen Link in neuem Fenster(EDH)

Pro salute
[[Imp(eratoris) Caesaris Commodi Antonini]]
[[Aug(usti) Pii Sarmatici Germanici max(imi)]]
Sex(tus) Sabineius Maximus IIvir i(ure) d(icundo)
muros amphitheatri opere tectorio
renovavit item aditus et portas
novas de suo feci

„Für das Heil des Imperators Cäsar Commodus Antoninus Augustus Pius, des größten Besiegers der Sarmaten und Germanen hat der Bürgermeister Sextus Sabineius Maximus die Mauern des Amphitheaters mit der Verputzarbeit erneuern und gleichfalls Zugänge und neue Tore aus eigenen Mitteln machen lassen. ”

Die Titulatur des aufgrund der damnatio memoriae eradierten Namens von Kaiser Öffnet internen Link im aktuellen FensterCommodus wird zwischen 183 und 185 n.Chr datiert: Damals wurde das Amphitheater von Virunum erstmals renoviert, was bedeutet, dass seine Erbauungszeit früher anzuetzen ist. Bezahlt hat die Maßnahme ein Öffnet internen Link im aktuellen Fensterduumvir namens Sex. Sabineius Maximus aus der lokalen Aristokratie. Die Maßnahme für die Tore ließ sich archäologisch am Nordtor des Amphitheaters untermauern. Die erstmalige Renovierung des (bemalten) Verputzes ließ sich an mehrschichtigen Putzfragmenten ebenfalls archäologisch bestätigen; leider wird im Unterschied zur späteren Renovierungsinschrift des Öffnet internen Link im aktuellen FensterC. Cassius Honoratus nichts darüber erwähnt, ob der Verputz thematisch mit Figuren bemalt war.

Lit.: H. Dolenz, Die Inschriften aus dem Amphitheater von Virunum, in: R. Jernej - Chr. Gugl (Hrsg.), Virunum. Das römische Amphitheater. Die Grabungen 1998-2001, Archäologie Alpen Adria, 4 (Klagenfurt 2004) 269-277.

weblinks:

Öffnet externen Link in neuem Fensterubi lupa erat

Bauinschrift des Duumvirn C. Marius Lucanius Maximianus:

[Pro salute]
[dd(ominorum) nn(ostrorum) Im]p[p(eratorum) L(uci) Septimi]
[Sev]er(i) Per[t]in[ac(is) et]
[[M(arci) Aur(eli) Antonini Augg(ustorum)]]
[[et P(ubli) Sept(imi) Getae Caes(aris)]] C(aius) Mar(ius)
Lu[cani]us Max[imianus IIvir]
i(ure) d(icundo) muros amp[hitheatri]
tectorio oper[e renovavit]
et picturis [exornavit]

„Für das Heil unserer Herren, der Imperatoren Lucius Septimius Severus Pertinax und des Marcus Aurelius Antoninus, der Augusti, und des Publius Septimius Geta, des Cäsars hat der Öffnet internen Link im aktuellen Fensterduumvir (Bürgermeister) Lucanius Maximianus die Mauern des Amphitheaters mit ihrer Verputzarbeit und Bildern renovieren lassen.”

Die Inschrift entstand während der Samtherrschaft des Septimius Severus mit seinen Söhnen Caracalla und Geta zwischen 198 und 209 n.Chr.. Demnach erfolgte die erneute Renovierung 13-28 Jahre nach der ersten des Sex. Sabineius Maximus. Im Unterewchied zu dieser Maßnahme wird nun auch von der Renovierung von Bildern gesprochen, was bedeutet, dass Bilder damals bereits zur Ausstattung des Amphitheaters gehörten und diese in der älteren Bauinschrift des Sex. Sabineius Maximus nicht erwähnt wurden. Allein vermuten wird man, dass auch diese Bilder bereits munera in der Arena zeigten.

Lit.: H. Dolenz, Die Inschriften aus dem Amphitheater von Virunum, in: R. Jernej - Chr. Gugl (Hrsg.), Virunum. Das römische Amphitheater. Die Grabungen 1998-2001, Archäologie Alpen Adria, 4 (Klagenfurt 2004) 277-284.

Weihinschrift für Septimius Severus und Caracalla; AE 2004, 1070:

Lit.: H. Dolenz, Die Inschriften aus dem Amphitheater von Virunum, in: R. Jernej - Chr. Gugl (Hrsg.), Virunum. Das römische Amphitheater. Die Grabungen 1998-2001, Archäologie Alpen Adria, 4 (Klagenfurt 2004) 284-287.

Bauinschrift; AE 2004, 1071:

muros]
[amphithe]atr(i) o[pere tectorio]
[et pic]tura reno[vavit(?)

„ ... haben die Mauern des Amphitheaters mit Verputzarbeit und Wandmalerei erneuern lassen.”

Lit.: H. Dolenz, Die Inschriften aus dem Amphitheater von Virunum, in: R. Jernej - Chr. Gugl (Hrsg.), Virunum. Das römische Amphitheater. Die Grabungen 1998-2001, Archäologie Alpen Adria, 4 (Klagenfurt 2004) 287-289.

Bauinschrift des C. Cassius Honoratus; AEA 2001/02, 117; AE 2004, 1072:

Pro salute dd(ominorum) nn(ostrorum) Imper(atorum)
[[Maximini et Maximi]] Caes(arum) Augg(ustorum)
C(aius) Cassius Honoratus murum
longitudinis p(edum) XXXX ruina con-
lapsum a solo restituit et podium
amp(h)itheatri opere tectorio cum
pictura muneris sui exornavit et
portam novam fecit Idibus Mai(i)s
Perpetuo et Corneliano co(n)s(ulibus)

„Für das Heil unserer Herren und Imperatoren Maximinus und des Cäsar Augustus Maximus hat Gaius Cassius Honoratus die Mauer auf eine Länge von 40 Fuß nach ihrem Zusammenbruch zur Ruine von Grund auf wiederherstellen lassen und das Podium des Amphitheaters mit einem Verputz mit Malereien von seinem munus schmücken lassen und das neue Tor bauen lassen. Am 15. März unter den Konsuln Perpetuus und Cornelianus.”

Die Inschrift datiert auf den 15. März 237 in die Regierungszeit von Kaiser Öffnet internen Link im aktuellen FensterMaximinus Thrax und seinen zum Cäsar erhobenen Sohn Maximus. Wiederaufbauten von verfallenen Bauten wurden immer wieder in Ehreninschriften festgehalten, diese Bauinschrift ist jedoch besonders wertvoll, weil sie zusätzlich davon berichtet, dass die Podiumsmauer des Amphitheaters mit Malereien ausgestattet war, die den des Stifters darstellten. Unter diesem munus hat man sicherlich einen Gladiatorenkampf zu verstehen und sofern diese Wortwahl genau genommen werden kann, handelte es sich dabei um eine verpflichtende Veranstaltung, nicht um einen freiwillig gestifteten Kampf. Diese verpfichtenden munera gehörten zu bestimmten öffentlichen Ämtern und ein solches  muss der Stifter inne gehabt haben.

Gemalte Darstellungen solcher munera sind auf den Podiumsmauern der Amphitheater in Öffnet internen Link im aktuellen FensterPompeji und Öffnet internen Link im aktuellen FensterMerida erhalten, in Öffnet externen Link in neuem FensterKorinth wurden sie auf  die Podiumsmauer des Theaters gemalt, als dieses offensichtlich neben dem dortigen Öffnet internen Link im aktuellen FensterAmphitheater ebenfalls für Gladiatorenkämpfe und Tierjagden genutzt wurde.

Lit.: H. Dolenz, Die Inschriften aus dem Amphitheater von Virunum, in: R. Jernej - Chr. Gugl (Hrsg.), Virunum. Das römische Amphitheater. Die Grabungen 1998-2001, Archäologie Alpen Adria, 4 (Klagenfurt 2004) 289-295.

Maße

Innen: 30,5-32,5 m x 93,7 m
Außen: 

Virunum, Amphitheater (Photo: J. Jaritz).

Beschreibung

Das Amphitheater liegt zusammen mit dem Öffnet externen Link in neuem FensterTheater am Ostrand des antiken Virunum zwischen Forum und dem Palast des Statthalters. Es liegt auf einer 108,1 × 46,5 m großen in hadrianischer Zeit bzw. nach dem Jahre 131 angelegten Hangterrasse. Das Amphitheater wies keine vollkommen regelmäßige Form auf, der Grundriss verjüngte sich durch die Verjüngung der Geländeterrasse nach Norden. Die Zuschauertribünen lagen auf radialen Stützmauern, welche die beiden Umfassungsmauern miteinander verbinden. Seine langovale Form lässt sich mit den Amphitheatern aus Öffnet internen Link im aktuellen FensterCaesarea (Cherchel), Öffnet internen Link im aktuellen FensterLuceria (Lucera) und Öffnet internen Link im aktuellen FensterFlavia Solva vergleichen. Im Bereich des Süd- und Nordtors wurden die äußere Begrenzungsmauer der Cavea und damit verbunden die Radialmauern um ungefähr jeweils 1,5–2 m nach außen vorgezogen; die Cavea besaß hier eine Breite von ca. 8,2 m im Süden und 9,2 m im Norden. In der Mitte der östlichen Cavea errichtete man gegenüber dem Eingang zu dem unterirdischen Gang ein 4,84 × 5,9 m großes Nemesisheiligtum. Im späten 2. Jh. n.Chr. wurde eine Erweiterung des Nordtors vorgenommen und der unterirdische Zugang in die Arena geschlossen. Nach einem Brand in severischer Zeit wurden in der Inschrift des C. Cassius Honoratus erwähnten Erneuerungen vorgenommen, namentlich der Holztribünen und der Toranlagen. Nach einem weiteren Großbrand in den 70er Jahren des 3. Jhs. n.Chr. wurde wiederum eine Aufplanierung der Cavea durchgeführt. Ausbesserungsarbeiten führte man am Nemesis-Heiligtum durch, darüber hinaus erfolgten ein Neubau der Tribünen, die Aufgabe des Kanalsystems und zahlreicher Zugänge. Anhand von Einplanierungen im Nemeseum ist die intentionelle Aufgabe für konstantinische Zeit belegt.

Literatur

J.Cl. Golvin, L'amphithéâtre romain. Essai sur la théorisation de sa forme et de ses fonctions, I-II (Paris 1988) 91 Nr. 51.

R. Jernej (Hrsg.), Virunum. Das römische Amphitheater - Die Grabungen 1998-2001, Archäologie Alpen Adria 4 (Klagenfurt 2004), darin:

R. Jernej, Zur Erforschung von Virunum und seines Amphitheaters
R. Jernej, Die Befunde und die Baugeschichte des Amphitheaters von Virunum
Chr. Gugl, Ausgewählte Fundkomplexe aus dem Amphitheater von Virunum – Fundensembles des frühen 2. bis frühen 4. Jahrhunderts n. Chr.
Chr. Gugl, Die Münzen aus dem Amphitheater von Virunum
M. Pfisterer, Antike Kleingeldimitationen aus Virunum
H. Dolenz, Die Inschriften aus dem Amphitheater von Virunum
Chr. Gugl, Zwei Nemesis-Votivreliefs aus dem Amphitheater von Virunum - Ikonographische Bemerkungen
Th. Schmidts, Zur Verbergung der Nemesisreliefs
Chr. Flügel - Chr. Gugl, Die Kleinfunde aus dem Virunenser Amphitheater
A. Galik, Archäozoologische und kulturhistorische Aspekte der Tierknochenvergesellschaftungen aus dem Amphitheater von Virunum
O. Cichocki, Holzfunde aus dem Amphitheater von Virunum und deren Zeitstellung
Chr. Gugl, Der Beitrag der Amphitheater-Grabungen 1998–2001 zur Stadtgeschichte Virunums im ausgehenden 3. und 4. Jahrhundert n. Chr.

St. Groh, Amphitheater in Noricum, ÖJh 74, 2005, 90-91.

B. István, Amfiteatrul de la Porolissum şi Amfiteatrele din provinciile romane de la Dunărea de Mijloc (Cluj 2011) 17 f.

weblinks:

Öffnet externen Link in neuem Fensterwwwg.uni-klu.ac.at/archeo/archeost/virunum/64theater2.htm

Öffnet externen Link in neuem Fensterhomepage.univie.ac.at/elisabeth.trinkl/forum/forum0301/18gugl.htm

Öffnet externen Link in neuem Fensterlechrain-Geschichte

Virunum, Weihrelief für Nemesis,Victoria.
Virunum, Weihrelief für Nemesis-Luna.

Funde

Öffnet externen Link in neuem FensterRelief der Nemesis-Victoria:

Öffnet externen Link in neuem FensterRelief der Nemesis-Luna:

Die beiden recht ähnlichen Votivreliefs wurden am Nemesis-Heiligtum des Amphitheaters gefunden. Beide zeigen eine Opferszene an einem Brandaltar. Das eine Relief zeigt neben der Nemesis-Victoria mit Schild, Peitsche und Fackel einen Opfernden in kurzer Tunika und mit Stiefeln (vgl. Relief aus Öffnet internen Link im aktuellen FensterAndautonia); in seiner erhobenen li. Hand hält er eine Peitsche, mit der er einen kleinen Bären neben sich bändigt. Der Mann ist Öffnet internen Link im aktuellen Fensterbestiarius oder venator. 

Das andere Relief zeigt neben Nemesis-Luna einen opfernden Mann mit Tunika, Mantel und Stiefeln. In ihm wurde der Weihende des Reliefs und gleichzeitig der Veranstalter bzw. editor muneris der Spiele gesehen, zu deren Beginn hier geopfert wird. Eine vergleichbare Opferszene, die mit der Ausrichtung von Spielen zusammenhängt, ist auch in einer Wandmalerei der Villa von Öffnet internen Link im aktuellen FensterAhrweiler zu sehen, deren Bewohner augenscheinlich auch der Veranstaltung öffentlicher Gladiatorenkämpfe nachkam.

Lit.: Öffnet externen Link in neuem FensterCh. Gugl, Zwei Nemesis-Votivreliefs aus dem Amphitheater von Virunum. Jahresh. Öst. Arch. Inst. 70, 2001, 35-49; Chr. Gugl - R. Jernej, Nemesis in Virunum. Entdeckung zweier Nemesis-Reliefs im Amphitheater von Virunum, Antike Welt 34 Heft 4, 2003, 375-380.