Zliten, زليتن‎, römische Villa (Africa Proconsularis)

Zliten, Gladiatorenmosaik (Bild: Sebastià Giralt).

weblink: Bild: Öffnet externen Link in neuem Fensterflickr - Sebastià Giralt; Photorechte: Öffnet externen Link in neuem FensterCreative Commons

In der Villa von Bar Duc Amméra bei Zliten wurden im 1. Weltkrieg Mosaikböden entdeckt, von denen das Gladiatorenmosaik zu den wichtigsten und meistdiskutiereten Darstellungen römischen Gladiatorenkämpfe und venationes zählt. Es wurde unterschiedlich von flavischer Zeit bis an die Wende des 3. zum 4. Jh. n.Chr. datiert, doch scheint sich heute ein Zeitansatz in domitianisch/trajanische Zeit durchgesetzt zu haben. Die Ausstattung der östlich von Leptis Magna gelegenen Villa zeigt zusammen mit anderen Anwesen des weiteren Umfeldes aus Silin und dem Wadi Lebdah bei Leptis Magna eine auffallende Vorliebe für Darstellungen aus dem Bereich von Amphitheater, Zirkus und - mit Abstrichen - Theater. Man vermutet, dass sich hierin auch eine Selbstdarstellung der Auftraggeber bzw. Villenbesitzer spiegelt, die für die Veranstaltung derartiger Spiele in ihrer Gemeinde verantwortlich waren. Die weiter gehende Vermutung Aurigemmas, dass sich in der Darstellung dieses munus Siegesfeiern Roms mit öffentlicher Exekution nach der Niederschlagung eines Aufstandes einheimischer Bewohner (Tacitus, Historien IV 50) zeige, ist dagegen nicht beweisbar.

Die Gladiatorendarstellungen befinden sich in einem nur 35 cm hohen Fries, der das weitere Mosaikfeld aus Kassettenfeldern von Marmorinkrustationen und Fischmosaiken auf 4 Seiten umrahmt. Die beiden Friese der ursprünglichen Ost- und Westseite bzw. die Seiten B und D stellen Tierkämpfe und Hinrichtungen dar, also das Vormittags- und Mittagsprogramm, während die ursprünglichen Nord- und Südseiten bzw. die Seiten A und C mit den eigentlichen Gladiatorenkämpfen den Höhepunkt der Veranstaltung zeigen.

Gladiatorenmosaik; FO: Bar Duc Amméra bei Zliten; AO: Tripolis, Museum:

Literatur

S. Aurigemma, I mosaici di Zliten (Rom - Mailand 1926); A. Rumpf, Malerei und Zeichnung, Handbuch der Archäologie IV 1 (München 1954) 191; K. Parlasca, Gnomom 26, 1954, 111; G.-Ch. Picard, La mosaïque romaine en Afrique du Nord, Gazette des Beaux-Arts 52, 1958, 193 ff. Abb. 1-2; S. Aurigemma, L’Italia in Africa: le scoperte archeologiche (1911-1943), I. Tripolitania. I monumenti d’arte decorativa 1, Mosaici (Rom 1960) 55-60 Taf. 136-159; M. Cagiano de Azevedo, La data dei mosaici di Zliten, in: Hommages à Albert Grenier, Latomus 58 (Brüssel 1962) 374-380; L. Foucher, Sur les mosaïques de Zliten, Libya Antiqua 1, 1964, 9-20; G. Ville, Essai de datation de la mosaïque des gladiateurs de Zliten, in: La mosaïque greco-romaine. Colloques internationaux du Centre national de la recherche scientifique, sciences humaines, Paris 29 Août - 3 Septembre 1963 (Paris 1965) 147 ff.; M. Cagiano de Azevedo, La data di mosaici di Zliten, in: M. Renard (Hrsg.), Hommages à Albert Grenier I. Collection Latomus 58 (Brüssel 1962) 374 ff.; K.M.B. Dunbabin, The Mosaics of Roman North Africa (Oxford 1978) 235-237; A. Hönle - A. Henze, Römische Amphitheater und Stadien. Gladiatorenkämpfe und Zirkusspiele (Feldmeilen 1981) 33 Abb. 8; A. Hönle, Das Mosaik von Zliten. Ein Munus für höchste Ansprüche, Antike Welt 13/4, 1982, 22 ff.; Öffnet externen Link in neuem FensterD. Parrish, The Date of the Mosaics from Zliten, Antiquités Africaines 21, 1985, 137-158; K.M. Coleman, Fatal charades: Roman executions staged as Mythological Enactments, JRS 80, 1990, 44-73 (Öffnet externen Link in neuem FensterJSTOR); Chr. Kondoleon, Signs of Privilege and Pleasure: Roman Domestic Mosaics, in: E.K. Gazda (Hrsg.), Roman Art in the Private Sphere. New Perspectives on the Architecture and the Decor of the Domus, Villa, and Insula (Ann Arbor 1991) 108 Abb. 5,5-6; S. Brown, Death as decoration: Scenes from the Arena on Roman Domestic Mosaics, in: A. Richlin (Hrsg.), Pornography and Representation in Greece and Rome (New York - Oxford 1992) 195 Abb. 9.5; A. Barbet, La peinture murale romaine, fresques de gladiateurs à Perigeux. Exposition au Musée du Perigord - Perigeux du 14 mars au 13 septembre 1999 (Perigeux 1999) 16 f. Abb. 11-13; M. Junkelmann, Familia Gladiatoria, in: E. Köhne - C. Ewigleben (Hrsg.), Caesaren und Gladiatoren. Die Macht der Unterhaltung im antiken Rom, Begleitbuch zur Ausstellung Historisches Museum der Pfalz Speyer, 9. Juli bis 1. Oktober 2000 (Mainz 2000) Abb. 3. 40. 47. 60. 63. 70; M. Junkelmann, Das Spiel mit dem Tod. So kämpften Roms Gladiatoren (Mainz 2000) 100 ff. Abb. 141-142; J. Edmondson, Public Spectacles and Roman Social Relations, in: T. Nogales Bassarate - A. Castellano Hernández (Hrsg.), Ludi Romani.Espetáculos en Hispania Romana, Museo Nacional de Arte Romano, Mérida, 29 de julio-13 de octuobre, 2002 (Cajasur 2002) 57 f. Abb. 14; M. Papini, Munera gladiatoria e venationes nel mondo delle immagini, Memorie. Atti della Accademia Nazionale dei Lincei. Classe scienze morali, storiche e filologiche 19/1 (Rom 2004) 180 ff. Abb. 79-84; C. Vismara, Amphitheatralia Africana, Antiquités Africaines 43, 2007, 114 f. Abb. 4; R. Thomas, Die Gladiatoren vom Apellhofplatz in Köln, Kölner Jahrbuch 41, 2008, 407 ff. Abb. 65-68.

weblinks:

Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.mediterranees.net/art_antique/oeuvres/zliten/munus.html

Beschreibung

Zliten, Gladiatorenmosaik, Seite B (Bild: Aurigemma).

Seite B (Ostseite) ist die am schlechtesten erhaltene. Sie zeigt exotische Tierkämpfe. Am linken Beginn sieht man Hunde, die auf Pfauen Jagd machen, rechts daneben sind die Reste von Jägern mit Peitsche und Knüppel (?) erhalten, der eine scheint einem Pfauen den Kopf abgeschlagen zu haben, aus dem Hals des Tieres scheint ein langer Blutstrahl hervorzuspritzen.

Nach einer großen Lücke folgt der nach links gewandte Unterkörper eines Mannes, der zu einem weiteren Öffnet internen Link im aktuellen Fensterad bestias Verurteilten ergänzt wird, der an einen Pfahl gebunden ist und entsprechend von links von einem nicht erhaltenen Tier angefallen werden wird.

Rechts von ihm liegt ein Rechteckschild am Boden, und darauf folgt der Unterkörper eines nach links laufenden Stieres. Letzterer erinnert an Stiersprungspiele wie die Öffnet internen Link im aktuellen FensterTaurokathapsia oder den Öffnet internen Link im aktuellen Fenstercontomonobolon, doch scheint hier etwas anderes dargestellt zu sein, weil der am Boden liegende Schild von einem Gladiator stammen muss, der diesen scheinbar verloren hat.

Dieser Gruppe folgt eine sehr schlecht und nur an den Füßen erhaltene Gruppe eines Venators, der gegen einen ihn anspringenden Paarhufer gewendet ist. Schließlich folgen zwei Jagdhunde deutlich unterschiedener Rassen, die eine Antilope zerreißen.

Zliten, Gladiatoremosaik Seite D (Bild: nach S. Giralt).

Seite D (Westseite) zeigt Tierkämpfe und Hinrichtungen, ähnlich wie Seite B, die jedoch viel schlechter erhalten ist. Ganz links erkennt man einen Öffnet internen Link im aktuellen Fensterad bestias Verurteilten, der auf einem fahrbaren Gestell gefesselt ist und gerade von einem Leoparden angefallen wird. Ein Aufseher rechts davon sorgt dafür, dass der Vorgang seinen gewünschten Gang nimmt, d.h. dass der Leopard auch wirklich den Verbrecher killt.  Rechts daneben ist eine ganz gleichartige Szene, im zeitlichen Ablauf jedoch etwas früher: Dort steht der Verurteilte noch intakt auf seinem Wagen und die Raubkatze setzt gerade zum Sprung an seine Kehle an. Ein Aufseher hinter dem Gestell achtet auch hier auf das Funktionieren der Tötung.
Weiter folgt ein venator, der seine Lanze gegen einen Hirschen, der gleichzeitig von einem Hund angefallen wird, in Stellung bringt; darüber jagt ein weiterer Hund einen Ziegenbock. Darauf folgt eine Gruppe mit einem auffallend kräftig dargestellten Aufseher in weißer Tunika mit erhobener rechter Faust und einem Eber.
Vor einer Fehlstelle im Mosaik folgt noch eine weitere Gruppe, in der ein venator und ein Jagdhund einen weiteren Hirschen zur Strecke bringen. Rechts neben der Fehlstelle steht ein Jäger im Siegergestus neben einem zusammengebrochenen Wildesel, aus dessen Wunden das Blut hervorspritzt.
Daneben kämpfen ein Bär und ein Stier gegeneinander: Sie sind zusammengebunden, ein Mittel, mit dem man unwillige Darsteller zwingen wollte zu kämpfen. Der Block unter ihnen könnte eine solcher Block sein, an den man sie festband. Ähnliche Darstellungen gibt es im Amphitheater von Öffnet internen Link im aktuellen FensterPompeji und auf einem Mosaik aus Öffnet internen Link im aktuellen FensterBignor, im Amphitheater von Öffnet internen Link im aktuellen FensterChester fand man in der Arena einen solchen Block. Ein Aufseher stachelt die beiden Tiere zusätzlich an.
Weiters folgt eine Gruppe mit einem Peitsche schwingenden Aufseher in kurzer Tunika, der einen ad bestias verurteilten Mann von hinten gepackt hat und ihn einem anspringenden Löwen aussetzt. Am rechten Ende des Frieses springt ein weiterer Löwe nach rechts und über ihm kniet ein venator mit einem Lasso (?) in der Hand.

Zliten, Gladiatorenmosaik Seite A (Bild: nach S. Giralt).

Seite A (Südseite) zeigt von links nach rechts folgende Einzelszenen und -bilder: Ganz links steht eine Herme mit angelehntem Schild. Das Motiv kommt in Zusammenhängen von Gladiatoren- und Arenadarstellungen immer wieder vor. Darauf folgen 4 Musiker: Der linke ist ein Tibicen, dann folgen eine Öffnet internen Link im aktuellen FensterOrgelspielerin und 2 Hornbläser. Darüber befindet sich ein Öffnet internen Link im aktuellen Fenstertorus Libitinae

Die erste Kampfszene zeigt  links einen Kampfrichter, der sich zu den Hornbläsern umschaut und gleichzeitig einen Öffnet internen Link im aktuellen Fenstereques an dessen erhobener rechter Hand festhält, mit der er gerade zum entscheidenden Schlag gegen seinen am Boden liegenden Gegner ausholen will. Beide Schilde liegen am Boden. Die Paarungen von equites standen am Programmbeginn der Gladiatorenkämpfe am Nachmittag, hier wird offenbar die Entscheidung abgewartet, ob die missio (Begnadigung) gewährt wird oder der tödliche Schlag geführt werden soll.
Dann folgt ein Paar mit einem aus der Wade blutendem Öffnet internen Link im aktuellen Fensterretiarius und seinem Gegner, dem Öffnet internen Link im aktuellen Fenstersecutor. Der Dreizack des unterlegenen Retiariers liegt vor beiden auf dem Boden.
Rechts neben diesen kämpfen ein Öffnet internen Link im aktuellen FensterThraker und ein Öffnet internen Link im aktuellen Fenstermurmillo noch unentschieden gegeneinander. Der thraex links ist am kleinen Rechteckschild erkennbar, der murmillo hält einen großen Schild. Er  setzt gerade zu einer harten Attacke an, indem er mit einem Dolch in seiner Rechten einen Stich in die Schulter seiner Gegners setzen will. Gut erkennbar sind die Beinschienen des Thrakers während der murmillo lediglich eine Bandage mit scheinbar kleinem Schienbeinschutz an seinem linken Schienbein trägt und an seinem rechten Bein allein Stiefel und leichte Kniebandage.
Neben diesen wiederum steht ein Gladiatorenpaar am Ende ihres Kampfes zusammen mit einem Kampfrichter, der seinen Stab erhoben hat: Zu ihm ist ein Öffnet internen Link im aktuellen Fenstermurmillo mit erhobenem Finger gewandt, der aus einer Wunde blutet und seinen Schild bereits verloren hat. Hinter ihm steht sein siegreicher Gegner, ein Hoplomachos mit kleinem Rundschild, sica und auf seine Lanze gestützt. Die Geste des unterlegenen murmillo wird als pollice verso gedeutet, d.h. mit dem erhobenen Finger gibt er das Zeichen seiner Niederlage und erbittet die missio.
Neben diesen kämpfen 2 gleichartig bewaffnete Gladiatoren gegeneinander. Sie tragen auffallend große Helmbüsche aus Federn (cristae) und sind durch ihre Brustplatten als Öffnet internen Link im aktuellen Fensterprovocatores bestimmbar, die normalerweise aber nicht derartig verzierte Helme tragen. Oberhalb von ihnen steht erneut ein torus Libitinae.

Zliten, Gladiatorenmosaik, Seite C (Bild: nach S. Giralt).

Seite C (Nordseite) zeigt weitere Gladiatorenkämpfe. Links erneut ein Hermenpfeiler mit angelehntem Schild, eine Gruppe von vier Musikern wie auf Seite A und ein torus Libitinae. Dann folgen nach rechts mehrere Gladiatorenkämpfe: Ein Retiarier kämpft gegen einen Sekutor, der Dreizack des Retiariers liegt bereits am Boden. In seiner Rechten ist ihm noch der Dolch verblieben, während von seinem Wurfnetz, das er in seiner Linken halten müßte, keine Spur sichtbar ist. Ihm gegebüber steht der Sekutor mit auf dem Boden stehenden großen Ovalschild und einem Kurzschwert in seiner Rechten.
Diesen folgt ein Paar zweier Öffnet internen Link im aktuellen FensterEssedarii: Beide tragen einen großen Ovalschild, eng anliegende ei-förmige Helme mit kleiner Krempe und je zwei Federbüschen, einen bandagierten rechten Arm, in dem sie einen Dolch führen, das subligaculum und jeweils zwei bandagierte Schienbeine ohne Beinschienen. In der älteren Literatur wurden sie als Öffnet internen Link im aktuellen Fenstermurmillones identifiziert. Ihnen folgt ein Kampf zwischen einem Thraker und einem Murmillo: Dabei sticht der rechts stehende Thraker dem Murmillo mit seinem Dolch in den Oberschenkel, aus dem sich das Blut in dickem Strahl auf die Erde ergießt.
Hierauf folgt eine leider stark zerstörte Szene, in der ein Gladiator mit einer Stoßlanze (hasta) nach rechts angreift: Von seinem im Umfallen begriffenen Gegner haben sich nur die Beine erhalten und der zu Boden gefallene Schild; zwischen beiden stand ein Kampfrichter, von dem sich allein der rechte Fuß erhalten hat. Der siegreiche Angreifer verdankt der Lanze als Hauptwaffe seinen Sieg, ein Charakteristikum, welches den Hoplomachi eigen ist. Seine Beine waren mit Schienen gepanzert. Der gebogene Rechteckschild seines Gegners gehört einem murmillo. 
Auch die folgende Gruppe ist stark zerstört: Von ihr erhielt sich hauptsächlich die Mittelfigur, ein nach rechts angreifender Gladiator, der mit seinem linken bandagierten Arm wiederum eine Stangenwaffe hält, mit welcher er einen nicht mehr erhaltenen Gegner angreift, von dem lediglich ein am Boden liegender Rechteckschild zeugt. Der Angreifer scheint also der Sieger zu sein, seine Beine sind lediglich mit dünnen Strümpfen bekleidet, aber nicht bandagiert oder gepanzert, er trug außerdem keinen Helm, war also ein Öffnet internen Link im aktuellen Fensterretiarius, sein Gegner folglich ein Öffnet internen Link im aktuellen Fenstersecutor. Links von beiden stand ein Kampfrichter. Das rechte Ende dieser Friesseite ist zerstört.