Leptis Magna, römisches Amphitheater (Bild: U. Mahler).

Inschriften

Weihinschrift des Amphitheaters, 56 n.Chr; AE 1968, 549 (Öffnet externen Link in neuem FensterEDH):

[[Neroni]] Claudio d[ivi] Claudi f(ilio)
Germanici Caesaris nep(oti) Ti(beri) Caesaris Aug(usti) pron(epoti)
divi Aug(usti) abn[ep(oti) Caes]ari Aug(usto) Germanico pont(ifici) max(imo) [t]rib(unicia) pot(estate) imp(eratori) co(n)s(uli) desig(nato) II p(atri) p(atriae)
M(arcus) Pompeius Silvanus Staberius Flavinus [XV]vir sac(ris) fac(iundis) proco(n)[s(ul)] III dedic(avit)
Q(uinto) Cassio Grato pr(aetore) proco(n)s(ule) Cretae et Cyrenar(um) leg(ato) pro pr(aetore) Africae III

„Dem Öffnet internen Link im aktuellen FensterNero Claudius, dem Sohn des vergöttlichten Öffnet internen Link im aktuellen FensterClaudius, dem Enkel des Öffnet internen Link im aktuellen FensterGermanicus Cäsar, dem Urenkel des Öffnet internen Link im aktuellen FensterTiberius Cäsar Augustus, dem Ururenkel des vergöttlichten Öffnet internen Link im aktuellen FensterAugustus, dem Cäsar Augustus Germanicus, Oberpriester, Inhaber der tribunizischen Gewalt, Oberbefehlshaber, zum zweiten Mal designierter Konsul, Vater des Vaterlandes, hat Marcus Pompeius Silvanus Staberius Flavinus, Mitglied des 15-Männer-Kollegiums für das Opferwesen, Proconsul zum dritten Mal (das Amphitheater) geweiht unter dem Prätor Quintus Cassius Gratus, Proconsul der Provinz 'Kreta und Kyrenaika', zum dritten Mal Statthalter der Provinz Africa.”

Literatur: G. di Vita-Evard, Les dédicaces de l'amphithéâtre et du cirque de Leptis Magna, Libya Antiqua 2, 1965, 29-37; W. Eck, Beförderungskriterien innerhalb der senatorischen Laufbahn, dargestellt an der Zeit von 69 bis 138 n.Chr., in: ANRW II 1 (Berlin - New York 1974) 173 Anm. 58.

Leptis Magna, Amphitheater.
Leptis Magna, Amphitheater.
Leptis Magna, Amphitheater (Photo: U. Mosbach).

Maße

Außen ca. 121 x 111 m
Innen ca. 57,2 x 47,3 m

Beschreibung

Die Erbauung des Amphitheater ist durch seine Weihinschrift in das Jahr 56 n.Chr., d.h. in die Regierungszeit von Kaiser Öffnet internen Link im aktuellen FensterNero datierbar. Seine Fundamente ruhen auf dem Felsgrund. Ungewöhnlich ist sein nicht-ovaler Grundriss, stattdessen ist seine Längsachse auf zwei gegenüberliegenden Seiten durch ein gerades Kompartiment verlängert. Die Zuschauerplätze sind in 4 Ränge gegliedert, zwischen denen horizontale Umgänge verlaufen. Auf den unteren öffnen sich insgesamt 8 Zugänge, auf den mittleren 16 und auf den oberen, der bereits weitgehend zerstört ist, weitere 20. Von dort erschließt sich über Treppenaufgänge die oberste porticus in summa cavea. In der Mitte der südlichen Längsseite liegt auf Höhe der obersten Porticus ein kleines Heiligtum in einer Position, wie sie sonst vor allem von Theaterbauten geläufig ist. In der Achse darunter, unmittelbar über der Podiumsmauer, liegt eine Ehrenloge.

Die Zugänge in die Arena lieben in der Längsachse. Die Höhe der Podiumsmauern beträgt 2,85 m. An den Öffnet internen Link im aktuellen Fenstercarceres konnten nach oben ziehbare Schiebetüren beobachtet werden, die den wilden Tieren einen für das Bedienpersonal gefahrlosen Zugang in die Arena erlaubten. Im südlichen Teil der cavea ist der ephesischen Artemis ein Heiligtum geweiht. In der Mitte der Arena liegt ein Keller, aus dem Öffnet internen Link im aktuellen Fensterpegmata Kulissen und Teilnehmer der Kampfvorführungen nach oben transportieren konnten. Unklar ist, ob dieser Einbau bereits in die Erbauungszeit des Amphitheaters gehört.

Ein System von Gängen verbindet das Amphitheater mit dem in direkter Nachbarschaft gelegenen Zirkus, mit dem es eine architektonische und funktionale Einheit bildete. Die Besonderheiten seiner Architektur versuchte Golvin aus der Überlegung zu erklären, dass der Bau der Anlage des Öffnet internen Link im aktuellen Fensterhölzernen neronischen Amphitheaters auf dem Marsfeld in Rom folge, welcher besonders geeignet für das breit gefächerte Veranstaltungsprogramm der neronischen Feste sei. Allerdings ist das neronische Amphitheater nicht erhalten. Stattdessen könnte auf weitere Parallen in Öffnet internen Link im aktuellen FensterCaesarea in Mauretanien, Öffnet internen Link im aktuellen FensterCaesarea Maritima, Öffnet internen Link im aktuellen FensterSkythopolis und Öffnet internen Link im aktuellen FensterNeapolis in Iudaea/Palaestina, Öffnet internen Link im aktuellen FensterLuceria in Italien oder Öffnet internen Link im aktuellen FensterFlavia Solva, Öffnet internen Link im aktuellen FensterVirunum und Öffnet internen Link im aktuellen FensterGleisdorf in Noricum verwiesen werden und vielleicht Ergebnis einer noch nicht verbindlich festegelegten Typisierung von Amphitheatern sind, die spätestens mit dem Bau des Öffnet internen Link im aktuellen FensterKolosseums erreicht war.

Literatur

EAA IV (Rom 1961) 593 s.v. Leptis Magna (Romanelli).

A. di Vita, Archaeological News 1962-63, Libya Antiqua 1, 1964, 136 Taf. LXVIIIa.

A. di Vita, Lepcis Magna, anfiteatro-circo, relazione preliminare, in: Libya antiqua Suppl. II (1966) 84-91.

O. Mahjiub - A. Chigine - R. Madaro, Nuove ricerche nell'anfiteatro di Leptis Magna, Libya Antiqua 13, 1976-77, 21-36.

J.-Cl. Lachaux, Théâtres et amphithéâtres d’Afrique Proconsulaire (Aix-en-Provence 1978)  81 f.

A. Hönle - A. Henze, Römische Amphitheater und Stadien (Feldmeilen 1981) 165 f. Abb. 151.

J.Cl. Golvin, L'amphithéâtre romain. Essai sur la théorisation de sa forme et de ses fonctions, I-II (Paris 1988) 83 f. Nr. 24 Taf. XIII 1.

R.G. Chase, Ancient Hellenistic and Roman amphitheatres, stadiums, and theatres - The way they look now (Portsmouth 2002) 213 Abb.

D.L. Bomgardner, The Story of the Roman Amphitheater (London - New York 2000) 160 f.

Th. Hufschmid, Amphitheatrum in Provincia et Italia. Architektur und Nutzung römischer Amphitheater von Augusta Raurica bis Puteoli , Forschungen in Augst 43,1 (Augst 2009) 215 ff.

Th. Hufschmid, Funktionale Gesichtspunkte des Theaters und des Amphitheaters im architektonischen, sozialen und politischen Kontext, in: M.E. Fuchs - B. Dubosson (Hrsg.), Theatra et spectacula. Les grands monuments des jeux dans l'Antiquité, Etudes de Lettres, 288 (Lausanne 2011) 274.
J.-Cl. Golvin, Comment expliquer la forme non elliptiques de l'amphithéâtre de Leptis Magna (al Khums/Lybie)?, ebda. 307-323.

Veranstaltungen

Fragment einer Ehreninschrift (?); Öffnet externen Link in neuem FensterIRT 786.
Bauinschrift aus der Zeit des Septimius Severus; Öffnet externen Link in neuem FensterIRT 396:

[.. ? .. Imp(eratoris) Caes(aris) L(uci) Septimi S]eve[ri Pii Pertinacis Aug(usti) Arabici A]diaben[ici Par]thici maximi [pontificis max]imi [tribunici]ae potes[tati]s X̣[ - - - ] imp[eratoris(?) co(n)s(ulis) p(atris)(?)] p(atriae) et I[mp(eratoris)]
[Caes(aris) M(arci) Aurelli Antonini ·· ? ·· et I]uliae [Augu]ṣtae [matris Augusti et cas]tror[um totiusque] divinae domus
[·· ? ··] Rusoṇianus fl[am(en)] augur IIuir q(uin)q(uennalis) cellam f[rigi]darii et [··]ry
[·· ? ··] ṛui[na con]labsas [e]x pollicitatione m[un]eris gladiato[ri] o]ḅ honorem
[quinquennalita]ṭis p[·· 6-7··] permissu sacratiss[imi pr]incipis divi M(arci) Antonin[i f(ili)] a fundamentis [·· ? ··] marmoribus et co[l]umnis exornavit stat[u]am Aesculapii novam
[·· ? ·· res]tituit ceter[as] refe[c]it ex [multi]s aliis [m]une[ribu]s rei p(ublicae) suae conlatis et
[·· ? ··]uli nomine ụị[ - - - ]itị[·· ? ··].

„ Zu Ehren des Imperators Öffnet internen Link im aktuellen FensterCäsar Lucius Septimius Severus Pius Pertinax Augustus, des Siegers über die Araber, die Einwohner der Adiabene, des größten Siegers über die Parther, des Oberpriesters, des Inhabers der tribunizischen Gewalt zum 10. Male (oder öfter?), Inhaber der imperatorischen (und) konsularischen Gewalt, Vater des Vaterlandes, und (zu Ehren) des Imperators Öffnet internen Link im aktuellen FensterCaesar Marcus Aurelius Antoninus und der Julia Augusta, der Mutter des Augustus und der Militärlager und des gesamten göttlichen Kaiserhauses, ... hat Rusonianus, Priester, Augur, Duovir mir 5-jähriger Amtszeit, die Cella des Kaltbades und .. ? .., die im ruinösen Zustand darniederlagen, aufgrund seines Versprechens mit einem Gladiatorenkampf und aus Anlaß seiner 5-jährigen Amtsinhaberschaft mit Erlaubnis des höchst heiligen Princeps, des Sohnes des vergöttlichten Öffnet internen Link im aktuellen FensterMarcus Antoninus von Grund auf (erneuern lassen) und mit Marmor und Säulen ausgestattet.  (Außerdem) stiftete er eine neue Statue des Äskulap, renovierte ... und stellte die übrigen aus vielen anderen eingesammelten Leistungen seines Gemeinwesens wieder her und ... im Namen ....”

Die Inschrift stammt aus den hadrianischen Thermen in Leptis Magna und erinnert u.a. an die Gladiatorenveranstaltung, welche der Duovir und Priester Rusonius bei Wiedereröffnung der renovierten Thermenanlage gab. In den ersten beiden Zeilen sind Öffnet internen Link im aktuellen FensterSeptimius Severus, sein Sohn Öffnet internen Link im aktuellen FensterCaracalla und seine Frau Julia Domna geehrt während weiter unten die Erlaubnis des Marcus Antoninus, d.h. des Öffnet internen Link im aktuellen FensterCommodus, betont ist: Letzterer scheint urspünglich auch statt des severischen Kaiserhauses in den ersten beiden Zeilen genannt gewesen zu sein, wo sich die Buchstaben durch andere Form als später eingesetzt erweisen.

Lit.: R. Bartoccini, Le Terme di Lepcis, Afrika Italiana, IV (Bergamo 1929) 79ff. Taf. VIII b; AE 1991, 1619; J.C. Fant, IRT 794b and the building history of the Hadrianic baths at Lepcis Magna, ZPE 1988, 291-294; G. Di Vita Évrard, Lepcis Magna, Contribution à la terminologie des thermes, in: M. Lenoir (Hrsg.), Les thermes romains: Actes de la table ronde organisée par l'Ècole francaise de Rome (Rom 1991) 35-42; G. Wesch-Klein, Liberalitas in rem publicam: private Aufwendung zugunsten von Gemeinden im römischen Afrika bis 284 n.Chr.; Antiquitas. Abhandlungen zur alten Geschichte, 40 (Bonn 1990) 121-123; E. Thomas - C. Witschel, Constructing reconstruction: claim and reality of Roman rebuilding inscriptions from the Latin west, BSR 60, 1992, 162-163; G.G. Fagan, Bathing in public in the Roman world (Ann Arbor 2002) 260; A. Laronde - G. Degeorge, Leptis Magna. La splendeur et l'oubli (Paris 2005) 114-115; Foto 78; N. Benseddik, Esculape et Hygie en Afrique (Paris 2010) 60 Taf. 24, 3.

Ehreninschrift eines Statuensockels; Öffnet externen Link in neuem FensterIRT 603.
Ehreninschrift des T. Flavius Vibianus, 3./4. Jh.; AE 1929, 3; Öffnet externen Link in neuem FensterIRT 567:
Ehreninschrift des Flavius Victor Calpurnius, 340-350 n.Chr.; CIL VIII 22672 = AE 1904, 14 = ILS 9408 = Öffnet externen Link in neuem FensterIRT 569:

]OM[---]M[---]
[---] honestiss[im() ]
--- c]ognoscendi [---]
[---] perpenso qu[---]
[---]meato [---] ob
[---] qui [r]em publ(icam) exqu[isi]-
[tis edit]ionum g[ene]ribus feceri[t am]-
pliorem instauratori moenium publ[i]-
corum quod eius innumera circa se
ac suos officia supra genitalis civis
affectum Lepcis Magna inclita fide
devotione praestans multifariam sense-
rit merito[ru]m eius tenacissime memor [per]
ordini(s) sui [et] popul[i v]iros Fl(avio) Victori Calpurni[o v(iro) p(erfectissimo)]
praesidi prov(inciae) Tripol(itanae) patrono suo statuam de
crevit et ob individuum mutui amoris affec-
tum eamdem se propter constituit ac dedica-
vit

„ ... "

Leptis Magna, Jagdthermen Frigidarium (Bild: G. Zimmer).
Leptis Magna, Jagdthermen, Frigidarium, linker Teil der venatio-Szenen.
Leptis Magna, Jagdthermen, Frigidarium, mittlerer Teil der venatio-Szenen.
Leptis Magna, Jagdthermen, Frigidarium, rechter Teil der venatio-Szenen (alle Bilder: Gerhard Zimmer).

Darstellungen

Jagdthermen, Wandmalereien:

Wandmalereien im Frigidarium der sog. Jagdthermen von Leptis Magna haben eine der bedeutendsten Darstellungen von Öffnet internen Link im aktuellen Fenstervenationes bewahrt. Sie bilden ein großes friesartiges Bildfeld am Übergang von Wand zu Tonnendecke. Sichtbar sind im linken Teil des Bildes zwei venatores, die einen bereits verwundeten und von rechts angreifenden Leoparden mit je einem Speer attackieren. Über ihm steht der Name 'Rapidus', was soviel wie wild, raubgierig bedeutet. Darüber ist etwas im Hintergrund eine dramatische Kampfszene zwischen Leopard und venator sichtbar, in welcher der Jäger zu Boden gegangen ist, von der Pranke des Leoparden bereits gepackt wurde und nun den finalen Biss in sein Genick zu erwarten hat.

Im mittleren Teil des Bildes erkennt man vier venatores, im Vordergrund den einzeln kämpfenden 'Nuber', der mit seinem Speer den Leoparden 'Fulgentius' getroffen hat, schräg darüber zwei weitere Jäger mit Speer, deren rechter mit der Namensbeischrift -]lbentius benannt ist und die einen weiteren Leoparden sogleich vermutlich treffen werden, und schließlich etwas im Hintergrund den Jäger 'Ingenius', der sich in einem Ausfallschritt nach links wendet und einen Speer in seiner Linken hält. Sein Gegner ist nicht auszumachen.

Der rechte Teil des Bildes ist gegen seine rechten Abschluss hin stark zerstört: Man erkennt links noch einen stehenden oder besser gesagt wankenden und gleich vermutlich niedersinkenden, allein mit Schurz bekleideten Kämpfer namens 'Bictor' (Sieger), der bereits schwer blutet. Bei ihm handelt es sich um einen noxius, einen zum Kampf in der Arena Verurteilten. Rechts von ihm folgt eine Schrecken erregende  Kampfszene, die nicht mehr vollständig erhalten ist: Man sieht aber einen offenbar ebenfalls nackten und ins Knie gesunkenen Kämpfer wiederum namens 'Bictor' mit Speer, der von rechts von einem Leoparden angegriffen, niedergeworfen, von seinen Pranken bereits gepackt und sogleich in den Hals gebissen werden wird.

Lit.: J.M.C. Toynbee, Beasts and their names in the Roman Empire, Papers of the British School at Rome 16, 1948, 36 f. (Öffnet externen Link in neuem FensterJSTOR); J.B. Ward-Perkins - J.M.C. Toynbee, The Hunting-Baths at Lepcis Magna (London 1949) 180 ff. Taf. 42. 43; G. Pesce, La decorazione del frigidario delle piccole terme di Leptis, Bolletino d'Arte 34, 1949, 48 ff. Abb. 1 Taf. 1; S. Aurigemma, L'Italia in Africa, Le pitture d'età romana (Rom 1962) 84-86 Taf. 73-77; Th. Kraus, Das römische Weltreich, Propyläen Kunstgeschichte, 2 (Berlin 1967) Taf. 141; H. Mielsch, Zur stadtrömischen Malerei des 4. Jhs. n.Chr., Mitt DAI Rom 85, 1978, 178; H. Mielsch, Funde und Forschungen zur Wandmalerei der Prinzipatszeit von 1945 bis 1975, mit einem Nachtrag 1980, in: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt, II 12,2 (Berlin - New York 1981) 243; A. di Vita - G. di Vita-Evrard - L. Bachielli, Das antike Libyen (Köln 1999) 87 Abb. 104; M. Pappini, Munera gladiatoria e venationes nel mondo delle immagini, Memorie. Atti della Accademia Nazionale dei Lincei, classe di scienze morali, storiche e filologiche 19/1, 2004, 88; R. Thomas, Die Gladiatoren vom Apellhofplatz in Köln, Kölner Jahrbuch 41, 2008, 410 ff. Abb. 69-70; B. Bianchi - L. Musso, Lepcis Magna Hunting baths. Building, restoration, promotion (2012).

Mosaikböden einer Villa im Wadi Lebdah
Leptis Magna, Gladiatorenmosaik (Mosaik I) aus einer Villa im Wadi Lebdah.

Aus einer Villa im Wadi Lebdah stammen fünf großartige Mosaikböden, von denen vier das Geschehen in der Arena zeigen, und eines Wagenrennen im Circus.

Gladiatorenmosaik (Mosaik I)

Das Mosaik stellt eine der künstlerisch großartigsten Darstellungen eines (beendeten) Gladiatorenkampfes dar.

Es besteht aus einem großen langrechteckigen Bildfeld, das von einem plastisch dargestellten Mäander gerahmt ist. Dieses Mosaikfeld liegt auf einem teppichartigen polychromen Zick-Zack-Muster. Das innere Bildfeld zeigt in Überlebensgröße einen auf dem Boden nach siegreichem Kampf ausruhenden Gladiator, vor ihm liegt sein getöteter Gegner, ein Öffnet internen Link im aktuellen Fenstersecutor: Dieser liegt mit angewinkeltem rechtem Knie auf dem Rücken, sein linker gepanzerter Arm greift noch in seinen großen gebogenen Rechteckschild. Sein Oberkörper ist nackt, seine Beine ebenfalls und sein eiförmiger Helm liegt zwischen den beiden Gladiatoren auf dem Boden. Hinter dem Helm liegt der Dreizack des siegreichen Öffnet internen Link im aktuellen FensterRetiariers. Dieser ist ebenfalls mit weitgehend bloßem Oberkörper angetreten: Um seinen linken Unterarm ist eine Bandage geschlungen, in der linken Hand hält er noch seinen Dolch. Sein rechtes Knie ist leicht bandagiert, an den Füßen trägter Stiefel. Um seinen Unterleib liegen balteus und subligaculum. Aus seinem linken Brustmuskeln klafft eine Wunde, ebenso auf seinem rechten Oberschenkel.

Literatur: W.M. Merrony, Sensational mosaic from Wadi Lebda Roman villa, Minerva 16/4, 2005, 4 Abb. 2 (Öffnet externen Link in neuem Fensterpdf); M. Wendowski - H. Ziegert, The wadi Lebda roman villa, Minerva 16/6, 2005, 5; AntW 37,1, 2006, 5 (nach: Archäologie in Deutschland); I. Holst, Leptis Magna. Roms Wunderstadt im Wüstensand, Geo Heft 2, 2008, 32 (sehr gute Abbildungen).

Orpheus-Mosaik; AO: Museum Tripolis:

 

Leptis Magna, Orpheus-Mosaik (Photo: DAI Rom).

Ein Mosaikboden mit einer zunächst mythologisch erscheinenden Darstellung des Öffnet internen Link im aktuellen FensterOrpheus unter den friedlich seinem Gesang zuhörenden Tieren kann, wie bei analogen römischen Darstellungen andernorts wahrscheinlich und bei Öffnet internen Link im aktuellen FensterMartial konkret beschrieben, eine Veranstaltung in der Arena reflektieren, bei der Akteure als der thrakische Kitharöde aufzutreten hatten und versuchen mussten, mit ihrem Gesang die wilden Tiere in der Arena zum friedlichen Zuhören zu bewegen. In Libyen ist aus Ptolemais ein Mosaikboden gleicher Thematik erhalten, weitere Darstellungen aus Sabratha und Tobruk.

Die Themenzusammenstellung bei dem Mosaik aus Leptis Magna ist originell. Es ist ein quadratischer Boden aus 3 x 3 Rastereinheiten. Das Orpheus-Bild beansprucht drei Felder, in den verblei­benden sechs Quadraten sind Bilder aus dem Landleben dargestellt. Alle Bilder sind durch doppelte Flechtbänder und einfache kleine Zahnschnitte gerahmt. Der Sänger thront in der Achse des Mosaiks, ist bekleidet und trägt die phrygische Mütze. Er schaut nach links und hält die Rechte angewinkelt vor seine Brust, die Linke hält die Kithara an ihren Saiten weit nach rechts. Beide Beine sind nach rechts gehalten und erst bei den Füßen übereinandergeklappt, ähnlich wie auf den Mosaiken von Milet oder Vienne. Er sitzt inmitten einer frei angeordneten Zuhörerschaft aus verschiedensten Tieren, man erkennt Gazellen und Antilopen, Hirsche, einen Bären, ein Wildschwein, einen Löwen, Panther, Tiger, Stier, Pfau sowie Adler, verschiedene Hühner und vielleicht auch eine Ente. Die anderen Bilder mit einer Fischfangszene, Stilleben mit Fischen, Enten und Früchten sowie ländlichen Szenen sollen wohl den Reichtum der Natur assoziieren. Wenn bei diesem Mosaik eine Assoziation mit dem Geschen in der Arena hervorgerufen werden sollte, so tritt sie nicht wirklich hervor.

Literatur: G. Guidi, Orfeo, Liber Pater e Oceano in Mosaici dell Tripolitania, Africa Italiana 6/Nr. 3-4 (Bergamo 1935) 110 ff. Abb. 1–11; L. Manino, Il mosaico Sardo di Orfeo del Museo Archeologico di Torino, Bolletino Società Piemontese di Archeologia e Belle Arti 4/5, 1950/51, 46 Abb. 5; Öffnet externen Link in neuem FensterH. Stern, La mosaïque d’Orphée de Blanzy-les-Fismes, Gallia 13, 1955, 60 Abb. 17; 72 Nr. 25; S. Aurigemma, L’Italia in Africa Tripolitania I (Rom 1960) 52 ff. Taf. 106–114; F. Schöller, Darstellungen des Orpheus in der Antike (Diss. Freiburg 1969) 36 Nr. 15 Taf. VIII 3; R. Bianchi Bandinelli, Rom – Das Ende der Antike München 1971) 260 Abb. 239; E.R. Panyagua, Catalogo de representaciones de Orfeo en el arte antiguo III, Mosaicos romanos. Helmantica 23, 1973, 491 Nr. 246 Abb. 42; I.J.Jesnick, The Image of Orpheus in Roman Mosaic. BAR Int. Ser. 671 (Oxford 1997) 129 Nr. 9; R. Vollkommer, Considérations sur une mosaique de Lepcis Magna, in: M. Ennaïfer - A. Rebourg (Hrsg.), Colloque international pour l’étude de la mosaïque antique, Tunis 1994, La Mosaïque gréco-romaine,  VII (Tunis 1999) I 295-298 Taf. CXXXIX; A. di Vita - G. di Vita-Evrard - L. Bachielli, Das antike Libyen Köln 1999) 21 Abb.